Putsch in Venezuela: Marschieren die USA bald ein?

Die von Washington unterstützte rechtsgerichtete Opposition hat gegen Präsident Maduro geputscht, deren Anführer sich zum Interimspräsidenten ernannt. Marschieren bald US-Truppen in Venezuela ein?

Von Marco Maier

Juan Guaidó, der Anführer der rechtsgerichteten und von Washington unterstützten Opposition, erklärte sich zum Interimspräsidenten von Venezuela. Er sagte vor seinen Anhängern: “Vor dem allmächtigen Gott gelobe ich, die Kompetenzen der Exekutive als Interimspäsident von Venezuela zu übernehmen​. Lasst uns alle schwören, dass wir nicht ruhen, bis wir die Freiheit erlangt haben.​” Damit ist der Machtkampf um das ölreiche südamerikanische Land, welches seit Jahren unter Korruption, Misswirtschaft und internationalen Sanktionen leidet, eskaliert. Bereits zuvor gab es einen Putschversuch durch diverse Militärs, der jedoch vereitelt werden konnte.

Der sozialistische Präsident des Landes, Nicolas Maduro, hält jedoch an seinem Posten fest und will seine Macht nicht abgeben, obwohl die oppositionellen Parteien bei den letzten Parlamentswahlen die absolute Mehrheit der Abgeordneten gewannen und er selbst wohl auch nur durch Manipulationen weiterhin an der Macht bleiben konnte. Doch dies sind interne Vorgänge des Landes, die man zwar kritisieren darf, jedoch keine Legitimation von Regime-Change-Aktionen durch ausländische Mächte darstellen.

Doch genau dies ist nun zu erwarten. Die USA und Kanada, sowie mehrere lateinamerikanische Staaten – wie zum Beipsiel die mit Washington verbündeten Länder Brasilien, Kolumbien und Paraguay – haben Guaidó bereits als neuen Präsidenten anerkannt. Guaidó hatte sich am Mittwoch auf einer Protestveranstaltung in Venezuelas Hauptstadt Caracas vor seinen Anhängern selbst zum “amtierenden Präsidenten” erklärt und auch gleich selbst vereidigt.

Aus den Vereinigten Staaten kam bereits die Warnung an Maduro, dass man eingreifen werde, sollte Guaidó etwas zustoßen. Der 35-jährige Ingenieur wurde Anfang Januar zum Parlamentspräsidenten ernannt, ist jedoch in weiten Teilen des Landes eine recht unbekannte Figur und Abgeordneter der Partei “Voluntad Popular” (“Volkswille”) für den Bundesstaat Vargas. Die Partei gilt als zentristisch, mit Programmpunkten die teils mitte-links und teils mitte-rechts stehen. Andere Parteien des Oppositionsbündnisses stehen teils deutlich weiter rechts.

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Die Opposition unter Guaidó wird jedoch nicht darum herumkommen, selbst (vorübergehend?) eine Diktatur zu errichten, um gegen die sozialistischen/chavistischen Kräfte im Land vorgehen zu können. Das Land ist politisch extrem gespalten und nur harte Gewalt durch die Regierung (ob links oder rechts) kann ein offener Bürgerkrieg verhindert werden. Guaidó wird jedoch zusätzlich auf die – ebenso militärische – Unterstützung der USA zählen können. Wird das noch eskalieren?

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Ein Kommentar

  1. DIe Tiefen Staaten gut organisiert.
    Binnen Tagen gemeinsam bereits eine Blanco Vollmacht ausgestellt an jemanden, der immerhin umstritten und
    noch nicht im Amt ist.
    Die US werden kein Rosenbett vorfinden.
    Die Spaltung des Volkes haben sie aber geschafft.
    „Hurra – wir sind Demokratie“

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