Islamisten töten bei einem Bombenanschlag auf eine Kathedrale in Jolo mehrere Menschen. Kurz darauf fliegt in Zamboanga City eine Granate in eine Moschee und verletzt mehrere Personen. Die Stimmung ist angespannt.

Von Marco Maier

Der südliche Teil Mindanaos und die Inseln des Sulu-Archipels sind traditionell stark muslimisch geprägt. Neben den (teils noch animistischen) Ureinwohnern, den sogenannten Lumad, haben jedoch in den vergangenen Jahrzehnten christliche Siedler aus Luzon und den Visayas in weiten Teilen die Mehrheit übernommen. Nur in wenigen Provinzen im Südwesten stellen die Muslime noch die Bevölkerungsmehrheit. Darunter laut Zahlen des Zensus von 2010 in Sulu (98 Prozent), Tawi-Tawi (97 Prozent), Lanao del Sur (94 Prozent), Maguindanao (82 Prozent) und Basilan (80 Prozent). Sie sind auch Teil des autonomen Muslimgebiets, welches nun im Zuge eines erfolgreichen Referendums mehr Autonomierechte zugestanden bekommt.

Doch verschiedene muslimische Splittergruppen wollen einen eigenen islamischen Staat. In den 1970er-Jahren gab es einen bewaffneten muslimischen Volksaufstand, der Schätzungen zufolge mindestens 50.000 Todesopfer forderte. Zwar gab es Friedensverhandlungen und Autonomie, doch die Rivalitäten zwischen den verschiedenen muslimischen Stämmen und den Führern sorgte dafür, dass die ganze Gegend weiterhin nicht zur Ruhe kommt. Die Besetzung Marawis in der Provinz Lanao del Sur durch die Maute-Gruppe, eine mit dem IS verbundene Miliz, im Jahr 2017, sowie die Schlacht um diese Stadt haben dem Verhältnis zwischen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit der Philippinen nicht besonders geholfen.

Als nun zwei Sprengsätze, einer in und einer vor der Kathedrale von Jolo, der Provinzhauptstadt Sulus, explodierten und dabei 20 Menschen töteten und über 100 verwundeten, war klar: das war ziemlich sicher die Abu Sayyaf-Gruppe, die in der Provinz ihren Hauptrückzugsort hat. Doch nur wenige Stunden später warf jemand in Zamboanga City (rund ein Drittel der Bevölkerung sind Muslime, vorwiegend dem Stamm der Samal und Badjao, jedoch auch Migranten aus Sulu die Tausug sind) eine Handgranate in eine Moschee, wo mehrere Menschen verletzt wurden. Darunter auch zwei Imame.

In Zamboanga und anderen gemischt-religiösen Teilen Mindanaos fürchtet man nun den erneuten Ausbruch eines militärischen Konflikts zwischen Christen und Muslimen, auch wenn Präsident Rodrigo Duterte beide Gruppen dazu aufruft friedlich zu bleiben. Er sagte: „Das ist kein Kampf zwischen Joloanons und Christen. Das hat nichts damit zu tun. Friedliche Joloanons und Christen werden weiterhin in Frieden zusammenleben.“ Allerdings machte er auch klar, dass er separatistische Tendenzen nicht akzeptiert: „Jolo ist ein Teil der Philippinen. Es kann nicht sonst wo sein.“

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Die zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen, die vor allem Islamisten und muslimischen Separatisten zuzuschreiben sind, nähren jedoch inzwischen Ängste vor einem Religionskrieg. Je mehr Bomben explodieren, je mehr Menschen verwundet und getötet werden, desto größer wird der Unmut. Zwar sind die Filipinos religiös weitestgehend tolerant, doch ein Blick in die Dörfer und Städte zeigt, dass in christlichen Nachbarschaften kaum ein Muslim wohnt und umgekehrt. Es ist weitestgehend ein Nebenander, wenngleich man in den Schulen und den größeren Unternehmen auch miteinander lernt und arbeitet. Aber viele christliche Filipinos trauen den Muslimen nicht, zumal immer wieder Nester von Extremisten (Maute-Gruppe, Abu Sayyaf-Gruppe usw.) auch in vorwiegend christlichen Städten und Dörfern ausgehoben werden.

Noch funktioniert das Zusammenleben der Religionen, wenngleich zumeist mehr nebeneinander als miteinander. Doch je mehr solcher Anschläge stattfinden und je größer das Misstrauen wird, umso schwieriger gestaltet sich dies. Ein „Religionskrieg“ scheint zwar noch weit entfernt, aber durchaus möglich zu sein. Zumindest dann, wenn es dem philippinischen Militär nicht gelingt, die Extremisten zu zerschlagen und die muslimische Minderheit davon zu überzeugen, dass ein friedliches Zusammenleben auch in deren eigenen Interesse liegt. Immerhin könnte auch das südliche Mindanao und der Sulu-Archipel touristisch interessant werden und so für einen bescheidenen Wohlstand in den verarmten Provinzen sorgen.

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One thought on “Philippinen: Gespannte Stimmung nach Bombenanschlägen”

  1. Die Menschen wollen es doch nicht anders!! Ohne Religion und ohne die zionistische Politik wäre es deutlich friedlicher auf der Erde! Es ist doch heute recht leicht die Menschen gegen einander auf zu hetzen! Die Menschheit wird an ihrer Dummheit zu Grunde gehen ….

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