Nach Angaben des philippinischen Militärs wurden am Sonntag in Süd-Jolo mindestens 27 Menschen bei Bombenanschlägen auf eine katholische Kirche getötet und 77 verletzt. Der Hauptverdächtigte ist die am islamischen Staat ausgerichtete Abu Sayyaf-Terrorgruppe.

Von Bong S Sarmiento / Asia Times

Zwei tödliche Explosionen, die am Sonntag gegen eine katholische Kirche gerichtet waren, erschütterten die philippinische Provinz Sulu, auf der zweitgrößten und südlichsten Insel der Philippinen, auf Mindanao. Oberstleutnant Gerry Besana, Sprecher der Streitkräfte des westlichen Mindanao-Kommandos (Westmincom) der Philippinen, verurteilte die Bombenanschläge als Terrorakt, der gegen 08:15 Uhr in Jolo, der Hauptstadt der Provinz Sulu erfolgte.

Die philippinische Nationalpolizei gab am Sonntag um 13.20 Uhr bekannt, dass 27 Menschen getötet wurden (20 Zivilisten und 7 Soldaten) und 77 weitere Personen bei dem Angriff verletzt wurden. Bis dahin hatte keine Gruppierung die Verantwortung für die Bombenanschläge  übernommen. Die Militärbehörden untersuchen die mögliche Beteiligung der Abu Sayyaf-Gruppe, teilte Basana der „Asia Times“ mit. Bei den Anschlägen wurden auch 6 Soldaten und ein philippinischer Offizier der Küstenwache, welche die Kirche bewachten, getötet. Die anderen Todesopfer seien Zivilisten gewesen, die an der religiösen Messe teilgenommen hätten, sagte Besana.

Die zweite Explosion ereignete sich auf dem Parkplatz der katholischen Kirche, die vom Missionar Oblates of Mary Immaculate verwaltet wird. Das improvisierte Sprengmittel befand sich in einem Elektrokasten, so das philippinische Militär. Die Behörden untersuchen derzeit, ob Abu Sayyaf die Bombenanschläge als Vergeltung für die kürzlich begonnene Kampagne des Militärs gegen die Gebiete in Sulu gestartet hat. Eben eine muslimisch dominierte Provinz in der sonst überwiegend katholischen Nation, wo sich Abu Sayyaf-Mitglieder verschanzen.

Die tödliche Bombardierung erfolgte weniger als eine Woche nach einer erfolgreichen Volksabstimmung, um im Süden eine neue „Bangsamoro“-Region zu errichten, das Herzstück eines abschließenden Friedensabkommens zwischen der Regierung und der Rebellengruppe der Moro Islamic Liberation Front (MILF). Das Militär ist jedoch vorsichtig, die Bombenangriffe der Kirche mit dem kürzlich ratifizierten Bangsamoro Organic Law zu verknüpfen, das am 21. Januar verabschiedet wurde und einer neu geschaffenen „Bangsamoro Autonomous Region of Muslim Mindanao“ (BARMM) weitreichende Autonomie gewähren wird.

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Sulu stimmte gegen die Aufnahme in die BARMM, die die 28-jährige „Autonome Region im muslimischen Mindanao“ (ARMM) ablösen wird, welche das Ergebnis eines separaten Friedensabkommens mit einer anderen islamischen Moro-Rebellengruppe war. Der Gouverneur von Sulu, Abdusakur Tan II, hat die Rechtmäßigkeit vor dem Obersten Gerichtshof angefochten und argumentiert, dass sein Erlass verfassungswidrig ist, da er die bestehende ARMM abschafft, was nur durch eine Änderung der Verfassung und nicht durch ein Kongressgesetz erreicht werden kann. Die BARMM zielt darauf ab, der Region nach vier Jahrzehnten Bürgerkrieg, der die muslimische Region, einer der ärmsten Region des Landes, gerechten und dauerhaften Frieden zu bringen.

Während Präsident Rodrigo Duterte, der aus der Haupstadt Davao City stammt, die BARMM noch nicht installiert hat, kam es am Donnerstag zu Auseinandersetzungen zwischen dem Militär und den Überresten der Maute-Gruppe, die ebenfalls den Islamischen Staat nahe steht, welche im Mai 2017 die Stadt Marawi belagerte. In dem fünfmonatigen Krieg, der die Stadt in Trümmern legte, wurden mehr als 350.000 Zivilisten vertrieben. Das Militär kündigte am Freitag an, die Truppen hätten das Lager der Überreste der Maute-Group in Lanao del Sur überrannt, das für die Aufnahme in die BARMM gestimmt habe. Drei Kämpfer der Maute-Gruppe wurden getötet, drei weitere wurden bei einer Operation festgenommen.

Leichen zum Abtransport in Tücher gehüllt – Bild: Facebook.com

Generalleutnant Arnel Dela Vega, Befehlshaber von Westmincom, befahl allen Militäreinheiten, die Sicherheitsmaßnahmen nach der Begegnung in Lanao del Sur und den Bombenanschlägen in Sulu zu verstärken. Beide Provinzen stehen unter der Führung von Westmincom.

Octavio Dinampo, ein Verfechter des Friedens, der an der Mindanao State University in Jolo lehrt, sagte, die Explosionen waren so laut, dass er sie von seinem Haus in Sitio Tanjung hörte, die vier Kilometer von der Sprengstelle in der Innenstadt von Jolo entfernt liegt. „Die Explosionen erfolgten im Abstand von 45 Sekunden. Ich dachte, unsere Truppen feuerten Haubitzen ab “, sagte er in einem Telefoninterview.

Dinampo glaube, der Bombenanschlag in Sulu sei von Abu Sayyaf verübt worden, als Vergeltung für die Verluste, die sie durch anhaltende militärische Angriffe in der Region erlitten hätten. Vor ungefähr fünf Monaten hätten die Geheimdienste des Militärs Pläne abgefangen, dass Abu Sayyaf Bombenanschläge in der Innenstadt von Jolo durchführen würde, sagte Dinampo.

Dinampo, der 2008 selbst von Abu Sayyaf entführt worden war, sagte, das Militär sperrte die Straße, in der sich die katholische Kathedrale befand, für etwa 20 Tage, öffnete sie jedoch wieder, nachdem sich die Öffentlichkeit über Unannehmlichkeiten beklagte. „Jetzt haben wir diesen sehr brutalen und grausamen Angriff in einer Kirche … Dies ist ein Akt der Repressalien und des Terrorismus, um die Zivilisten zu ängstigen“, sagte er und verurteilte den Vorfall.

Dinampo sagte, in Sulu würden derzeit sechs Militärbrigaden eingesetzt, um Abu Sayyaf zu neutralisieren. Im vergangenen Monat hat Präsident Duterte die 11. Infanteriedivision in Jolo aktiviert, um die derzeit in der Provinz eingesetzten Truppen zu verstärken.

Abu Sayyaf entführte im Jahr 2000 21 Geiseln – 10 europäische und nahöstliche Touristen und 11 malaysische Arbeiter – aus einem Urlaubsresort auf der Insel Sipadan, Malaysia.

Abu Sayyaf ist auch für den größten Terroranschlag der Philippinen verantwortlich, den Bombenanschlag auf Super-Ferry 14 von 2004, bei dem 116 Menschen getötet wurden. Der mit einer 3,6-Kilogramm-Bombe detonierte Angriff wurde als der tödlichste Terroranschlag der Welt auf See bezeichnet.

Von Al Haq, der Sprecher der islamischen Streitkräfte Bangsamoro, des bewaffneten Flügels der MILF, verurteilte die Explosion und forderte die Regierungsbehörden auf, den Vorfall gründlich zu untersuchen. „Dies ist ein schrecklicher Akt des Terrorismus“, sagte er. Al Haq sagte, die MILF werde ihre eigene Untersuchung des Angriffs durchführen und bat um Ruhe für einen Angriff, der die Spannungen in der Gemeinschaft auslösen könnte.

Der islamische Staat (ISIS) übernahm am späten Sonntagabend die Verantwortung für die Bombenanschläge, das meldete die ihr nahestehende Nachrichtenagentur Amaq.

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