Foto: Wikimedia Commons/Goodvint CC BY-SA 3.0 - S-400 (SAM) Triumf (SA-21) während Einer Übung zur Siegesparade in Moskau am 4. Mai 2010.

Das Pentagon musste zugeben, dass die russischen S-400-Luftabwehrsysteme die Operationen der US-Luftwaffe im Ausland beeinträchtigt und man anders vorgehen müsse.

Von Marco Maier

Während der Westen damit beschäftigt war, Russland wegen seiner angeblichen „Desinformationskampagnen“, der „Einmischung in Wahlen“ und Giftmorden (Skripal) zu attackieren, hat Moskau damit begonnen, die Hoheit über den Luftraum in einer breiten Kette von der Ostsee bis hinunter nach Syrien herzustellen – und zwar mit der Stationierung von S-300 und S-400-Systemen.

Nach einem neuen ausführlichen Bericht im Wall Street Journal hat das russische Flugabwehrsystem S-400, von dem ein Großteil der westlichen Bevölkerung kürzlich im Zusammenhang mit Syrien gehört hat, „das Kalkül der USA und seiner Verbündeten“ in potenziellen Krisenherde verändert“, als Russland einen“ neuen Eisernen Vorhang „in Form einer Reihe wirksamer und weitreichender Luftabwehrsysteme errichtet, die sich von der Arktis bis in den Nahen Osten erstrecken.

Laut der Zeitung hat das Pentagon nun zugegeben, dass man Flugrouten ändern muss und man sich genau überlegen, wo man in Bezug auf die Stationierung Kampfjets und Bomber einsetzen kann. Auf den Punkt gebracht heißt es aus dem Pentagon: „Sie fordern unsere geopolitische Überlegenheit heraus.“

Ein weiteres ähnliches Bekenntnis findet sich in einem Bericht des Kongresses, der von einer überparteilichen Kommission zur Bewertung der Verteidigungsstrategie des Weißen Hauses erstellt wurde. Wie im WSJ zitiert wurde, stellte die Kommission fest, dass Russland „nach regionaler Hegemonie und nach Mitteln sucht, um die Macht auf globaler Ebene zu projizieren“, und dass dies bereits „die militärischen Vorteile der USA verringert und wichtige US-Interessen bedroht“.

Obwohl die russischen Militärausgaben und -kapazitäten sowohl von den USA als auch von China noch immer in den Schatten gestellt werden (das Verteidigungsbudget Russlands beträgt etwa ein Zehntel der Größe jenes des Pentagons), war der strategische Einsatz des Kremls gegen die Macht der USA ausreichend, um Washington zu beunruhigen. Vor allem auch deshalb, weil andere Länder wie China, Indien, die Türkei und der Iran auf die russische Luftabwehrtechnik setzen.

Für Moskau ist der Verkauf von S-400 an andere Länder eine gute Möglichkeit, die Kosten für die Beschränkung der US-amerikanischen Übermacht auf breite Schultern aufzuteilen, ohne sich selbst finanziell zu sehr verausgaben zu müssen. Oder wie es im WSJ heißt:

Mit der Auftragserfüllung durch Russland entstehen durch die Ausdehnung der S-400-Barriere Barrieren, die die jahrzehntelange uneingeschränkte Luftüberlegenheit der USA im Nahen Osten, in der Arktis und in Teilen Asiens bedrohen. Durch den Verkauf der S-400 an andere Länder verteilte Russland die Kosten für die Einschränkung der US-Streitkräfte.

„Russland will keine militärische Überlegenheit, aber es hat die Überlegenheit des Westens oder der USA beendet“, sagte Sergey Karaganov, außenpolitischer Berater von Putin. „Jetzt kann der Westen nicht mehr wahllos Gewalt anwenden.“

Das Pentagon erklärte gegenüber dem WSJ als Antwort auf die Frage nach den wachsenden Verteidigungsfähigkeiten Russlands: „Die USA sind nach wie vor die herausragende militärische Macht der Welt und bauen ihre Beziehungen zu NATO-Verbündeten und Partnern weiter aus, um unseren strategischen Vorteil zu wahren“, sagte der Pentagon-Sprecher Eric Pahon. „Die USA und unsere Verbündeten verfügen über eine Reihe von Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Machtverhältnisse zu unseren Gunsten bleiben.“

Doch: Ist dem tatsächlich so, oder sind das nur große leere Worte aus dem Rachen einer niedergehenden Supermacht? Man sollte allerdings nicht die Einflussmöglichkeiten des militärisch-industriellen Komplexes unterschätzen. Wenn man militärisch nicht gewinnen kann, nutzt man eben den Wirtschafts- und Finanzkrieg oder die Sabotage durch die Geheimdienste, um Regime-Changes durchzuführen oder zumindest solche zu versuchen.

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