Die Bodenstreitkräfte der chinesischen Volksbefreiungsarmee sollen halbiert werden. Peking will den Fokus auf die Marine und die Luftwaffe setzen.

Von Marco Maier

Die Volksbefreiungsarmee Chinas (PLA) hat große Veränderungen angekündigt, die darauf abzielen, sich in eine moderne Kampftruppe zu verwandeln, die den Fokus von Landkämpfen nimmt, die seit dem Zweiten Weltkrieg einen Großteil des 20. Jahrhunderts prägten, während Marine, Luftwaffe und neue strategische Einheiten verstärkt werden. Zudem konzentriert man sich auf aufkommende Hi-Tech-Bedrohungen wie beispielsweise den Cyberkrieg.

Ein neuer Bericht in dieser Woche in der offiziellen Xinhua-Nachrichtenagentur hat die „Transformationsänderungen des Militärs“ angeprangert, die dazu geführt haben, dass ihre Infanterie- und Bodenoperationen von den anderen als Teil eines „strategischen Wandels“ umgestaltet wurden, der die Volksbefreiungsarmee in eine umfassende moderne Kraft verwandeln soll.

J-20 Stealth Fighter der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Bild: Public Domain

Die Verschiebung ist so bedeutend, dass die Marine, die Luftwaffe, die Raketentruppe und eine „strategische Unterstützungsgruppe“ (verantwortlich für Gebiete wie Cyberwarefare) auf über 50 Prozent der gesamten PLA-Truppen aufgestiegen sind, während die Anzahl der PLA-Offiziere um 30 Prozent reduziert wird, da große Bodentruppen traditionell mehr Offiziere für diese Einheiten benötigen.

Xinhua nannte die Verschiebung „beispiellos“ und beschrieb die Neuorientierung in den Prioritäten der PLA als Ergebnis der Zusage von Präsident Xi Jinping im Jahr 2015, die Zahl des Personals um 300.000 zu reduzieren, um die Streitkräfte rasch in die moderne Zeit zu bringen, die große Infanterieeinheiten und den Frontkrieg hinter sich zurückgelassen hat.

Unabhängig von der enormen Reduktion ist China jedoch mit zwei Millionen aktiven Soldaten nach wie vor das mit Abstand größte Militär der Welt. Das ist weniger als 2013, als ein Weißbuch der Verteidigungsindustrie dies mit 2,3 Millionen Soldaten angab und nur 235.000 Soldaten in der Marine und 398.000 in der Luftwaffe anführt. Im Vergleich dazu beanspruchen die Vereinigten Staaten insgesamt fast 1,3 Millionen aktives Militärpersonal und weitere 800.000 Reservisten.

Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer.

Peking will sich so auf die neuen Bedrohungen auf dem Luft- und Seeweg vorbereiten, die vor allem von den Vereinigten Staaten von Amerika und deren ostasiatischen Verbündeten ausgehen. Gerade im Süd- und Ostchinesischen Meer gibt es immer wieder kritische Situationen, weil vor allem die Amerikaner ständig Kriegsschiffe in die Region entsenden. Hinzu kommt der Schutz der chinesischen Interessen im Ausland, die sich aus der Etablierung der „Belt and Road Initiative“ ergeben – der „Neuen Seidenstraße“, wie sie auch genannt wird. Da ist vor allem eine starke Marine unumgänglich.

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