Erneuerbare Energien verändern die Geopolitik

Noch spielt Erdöl eine große Rolle in der globalen Energieversorgung. Entsprechend werden geopolitische Entscheidungen getroffen. Doch das wird sich ändern.

Von Marco Maier

Die rasche Einführung erneuerbarer Energien „wird die geopolitische Landkarte des 21. Jahrhunderts neu zeichnen“, heißt es in einem neuen Bericht, der die geopolitischen Auswirkungen der Umstellung auf saubere Energien untersucht. Der Anstieg der erneuerbaren Energien kann die Unabhängigkeit der Energieversorgung erheblich verbessern, so die Globale Kommission für Geopolitik der Energiewende, die auf Ersuchen der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) einen Bericht verfasst hat.

Da Energie durch Technologien erzeugt werden kann, bei denen Sonne und Wind eingesetzt werden, anstatt die natürlichen Ressourcen in Form von Öl und Gas zu nutzen, was in geografischer Hinsicht nicht allgegenwärtig ist, können viele Länder ihre Anfälligkeit für Preisspitzen und eine direkte Versorgung reduzieren. Darüber hinaus wird die strategische Bedeutung von sogenannten Chokepoints – der Straße von Hormuz oder der Straße von Malakka – abnehmen, da fossile Brennstoffe das globale Energiesystem nicht mehr im Griff haben.

Hinzu kommt die dezentrale Energieversorgung, was auch Störungen durch gezielte Angriffe (z.B. auf große Atom-, Kohle- oder Wasserkraftwerke) deutlich abschwächt. Wenn jeder private Haushalt einen Teil seiner Elektrizität selbst produziert, werden auch die Stromversorgungsnetze nebensächlich.

China, welches die Abhängigkeit von Öl und Gas deutlich reduzieren will, weil dies das Land sehr verletzbar macht, setzt auf Alternativen – wie zum Beispiel auf dutzende neue Atomkraftwerke und den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien. Im Kriegsfall wäre zumindest ein Großteil der Energieversorgung des Landes auch ohne Öllieferungen möglich.

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Nachteilig ist diese Entwicklung natürlich für die großen Ölexporteure am Persischen Golf. Der einzige Grund, warum beispielsweise die USA Saudi-Arabien weiterhin die Stange halten, liegt am Ölreichtum des Landes. Wird das Öl nur noch rudimentär verwendet, ist die ganze Wüstengegend nur noch eine geographische Randgegend ohne große geopolitische Bedeutung. Wenn sich Araber und Iraner gegenseitig abschlachten, hat dies dann kaum Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Heute sieht dies natürlich völlig anders aus. Davor haben die Saudis natürlich Angst.

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Doch gerade jene Länder, deren Wirtschaft noch stark von Öl und Gas abhängt, sollten sich darauf einstellen, dass in den nächsten 20 bis 30 Jahren größere Umwälzungen in der Energieversorgung stattfinden werden. Um eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung werden sie nicht herum kommen. Den Schätzungen zufolge werden die erneuerbaren Energien bereits um das Jahr 2050 herum einen größeren Anteil an der gesamten Energieversorgung ausmachen als die fossilen Brennstoffe.

Die Umstellungen in der globalen Energieversorgung werden zwar heutzutage vor allem aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes vorangetrieben, haben aber wie man sieht auch massive Auswirkungen auf die Geopolitik. Für manche Despoten-Regierungen die sich jetzt noch für unantastbar halten, wird es dann ungemütlich. Oder glaubt tatsächlich jemand, dass die ganzen arabischen Golfstaaten ohne die Ölmilliarden noch so „friedlich“ bleiben wie es derzeit der Fall ist? Mit dem Ende des Öl-Booms werden auch (wieder) Armut und Massenarbeitslosigkeit dort einkehren.

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2 Kommentare

  1. Lieber Herr Meier,

    die Ökolobby und Ihre zahlreichen Bewunderer in den Redaktionen aller Massenmedien nehmen es mit der Wahrheit genau so ernst, wie das ZDF bezüglich der Politik. Da sollte man die geistigen Ergüsse der IRENA kritisch betrachten, es ist wirklich hanebüchend.

    Sonne und Wind produzieren kein Strom, sondern Zappelstrom. Damit das Netz stabil bleibt, müssen mindestens 2/3 des Stroms aus regelbare Kraftwerke kommen. Eine Vollversorgung bzw. auch nur in der Nähe ist theoretisch nur möglich, wenn z.B. bei einer Windböe alle Herdplatten in Deutschland anspringen, damit die Abnahme der Erzeugung angepasst wird. Heute ist es umgedreht, wenn Herde eingeschaltet werden, drehen die Kraftwerke höher. Man müsste sich also umgewöhnen, dass Essen nach dem Wind zu richten.

    Ein Wolkendurchzug könnte dann beim Elfmeterschießen alle Fernseher abschalten, Die Straßenbeleuchtung müsste dann parallel zu Sonnenstrom tags angehen und nachts ausgehen…

    In Deutschland wird der Anteil von Atomstrom langfristig steigen, nur das die AKWs in Kaliningrad und Minsk stehen werden. Dort beurteilt man die Energieerzeugung ohne die typischen westlichen Ökoscheuklappen und berietet sich langfristig vor, man freut sich schon auf die teuren Euros Deutschland für den billigen Atomstrom.

  2. Ich stimme Peter G voll zu.
    Was ist denn das für ein Strom, der bei Flaute und Wolken nichts mehr liefern kann?
    Meine Test-Voltaik-Anlage liefert momentan so gut wie gar nichts. Die Batterien werden ohne Abnahme gerade so voll gehalten.
    Es gibt keine akzeptabelen Energiespeicher für den Zappelstrom und wenn mal richtig Sonne strahlt und der Wind bläst, muss man dem erzeugten Strom noch Geld hinterher werfen, weil keiner ihn haben will.
    Das ist keine Energiewende, dass ist grüne Ideotie!
    Völlig verblödete Leute in der Politik.
    lieben Gruß

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