Fracking-Bohrloch. Bild: Flickr / Kate Ausburn CC-BY 2.0

Die US-Frackingindustrie produziert deutlich weniger Öl als erwartet, die Unternehmen sind zudem massiv überbewertet. Wie lange noch, bis die Blase platzt?

Von Marco Maier

Laut einem neuen Bericht des Wall Street Journal pumpen tausende von Schieferöleinrichtungen die in den letzten fünf Jahren gebohrt wurden, weniger als die Anleger anhand von Vorhersagen erwarteten. Die neue Entdeckung wirft Fragen nach der Stärke des neuen Schieferölangebots der Vereinigten Staaten auf – und vor allem auch nach dem Wert dieser Unternehmen.

Der WSJ vergleicht die Produktivitätsschätzungen, die den Anlegern mitgeteilt wurden, mit öffentlichen Daten, wie sich diese Bohrungen bisher entwickelt haben. Nach einer Analyse von 16.000 Bohrlöchern, die von 29 Herstellern in Orten wie North Dakota und dem Perm-Becken betrieben wurden, stellte das Journal fest, dass rund 66 Prozent der Projektionen, die von Unternehmen zwischen 2014 und 2017 gemacht wurden, Berichten zufolge „zu optimistisch“ sind.

Insgesamt werden diese Unternehmen voraussichtlich rund 10 Prozent weniger Öl und Gas pumpen als prognostiziert. Dies entspricht einer Menge von rund 1 Milliarde Barrel Öl und Gas in 30 Jahren, der zu aktuellen Marktpreisen bei rund 30 Milliarden US-Dollar liegen würde. In einigen Regionen liegen die Unternehmen angeblich um mehr als 50 Prozent unterhalb der Prognosen.

Dies führt dazu, dass (siehe Grafik oben) der Wert der Unternehmen im Vergleich zum Wert der erwiesenen Reserven deutlich in Unbalance geriet. Waren die Unternehmen im Jahr 2007 noch 1,7x mehr Wert als die erwiesenen Reserven, so lag der Faktor im Jahr 2017 bereits bei 2,8. Heute, bei deutlich niedrigeren Ölpreisen ist der „Gap“ noch größer.

Es ist kein Geheimnis, dass Schiefergas- und -ölunternehmen in den letzten zehn Jahren beträchtliche Kapitalanteile an der Wall Street bezogen haben – meist in Form von Junk Bonds – und Anleger hauptsächlich Geld verloren haben. Seit 2008 ist der Index der in den USA ansässigen Öl- und Gasunternehmen um 43 Prozent gefallen, während sich der Aktienmarkt in derselben Zeit verdoppelt hat.

Nun stellt sich nur noch die Frage, wie lange es dauert bis die Blase platzt und unter Umständen sogar eine neue Finanzkrise auslöst. Die Aussichten sind also nicht gerade positiv.

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