Saudi-Riyal. Bild: Twitter

Die Führung Saudi-Arabiens rechnet sich die Budgeterwartungen schön. Im kommenden Jahr könnte das Defizit explodieren und die Finanzreserven dramatisch reduzieren. Wie geht es weiter?

Von Marco Maier

Das Jahr 2019 wird das sechste Jahr in Folge sein, in dem der Staatshaushalt Saudi-Arabiens ein Defizit aufweist. Gab es im Jahr 2013 noch einen Überschuss von 42 Milliarden Dollar, so gab es von 2014 bis 2018 insgesamt 358 Milliarden Dollar. Für das Jahr 2019 wird – Dank einer sehr optimistischen Prognose – mit einem Defizit von 35 Milliarden Dollar gerechnet. Doch dies ist nur dann zu erreichen, wenn einerseits der durchschnittliche Ölpreis um rund 40 Prozent steigt. Zudem muss auch die Erwartung der steigenden Nicht-Öl-Staatseinnahmen erfüllt werden. Insgesamt, so die Planungen, sollen die Einnahmen bei 975 Milliarden Riyal, die Ausgaben bei 1.106 Riyal und das Defizit somit bei 131 Milliarden Riyal oder 4,2 Prozent des BIP liegen.

Doch während die Finanzplaner des wahhabitischen Königreichs in Sachen Staatseinnahmen mit sehr optimistischen Annahmen rechnen, versucht das Königshaus mittels weiterer Geldgeschenke die Bevölkerung ruhig zu halten. Ohne diese würde es schon längst zu Revolten kommen, da die Wirtschaft ohne die Öleinnahmen äußerst schwach wäre.

Vor allem jedoch wird es nicht besser werden. Die stark wachsende Bevölkerung hat kaum Jobs zur Verfügung, so dass man die jungen Erwachsenen lange Zeit in die Universitäten schickt, damit sie den Arbeitsmarkt nicht belasten. Und damit die Studenten ruhig bleiben, werden deren staatlichen Unterstützungsleistungen im kommenden Jahr um zehn Prozent erhöht. Auch wird das Programm zur Unterstützung von Soldaten, Zivilbediensteten und Sozialhilfeempfängern fortgeführt.

Schätzungen zufolge dürften die Staatsschulden des Landes im kommenden Jahr mit 678 Milliarden Riyal (183 Milliarden Dollar) sogar fast 22 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Wahrscheinlicher hingegen ist ein deutlich größeres Defizit im kommenden Jahr und somit auch eine deutlich höhere Verschuldung. Für ein Land, welches jahrzehntelang Überschüsse erwirtschaftete und auch enorme finanzielle Reserven anlegen konnte, ist dies ein Armutszeugnis. Geht es so weiter, liegt der Verschuldungsgrad des Landes bald bei 100 Prozent des BIP, während die Ölreserven irgendwann mal nicht mehr genügend abwerfen und das Land wirtschaftlich kollabiert.

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