Fake News. Bild: BBC
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Ein Spiegel-Journalist musste zugeben, unzählige Reportagen gefälscht und Geschichten erfunden zu haben. Doch wenn es um Propaganda geht, wird eben gerne alles geglaubt.

Von Marco Maier

Gestern musste das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zugeben, jahrelang erfundene und erlogene Stories eines ihrer Journalisten publiziert zu haben. Reportagen, die Claas Relotius problemlos an den Mann bringen konnte, weil sie den ideologischen Narrativen der Redaktion (und jenen der taz, der Welt und der FAZ) entsprachen. Im Grunde genommen hat er eben genau jene Propagandageschichten geliefert, die man in den oberen Etagen des Medienunternehmens hören wollte. Da wird nicht allzu kritisch hinterfragt.

Das Problem ist nicht Relotius selbst, sondern das System dahinter. Denn er selbst ist wohl nur einer von wohl dutzenden Journalisten in den Mainstreammedien, die Stories „zurechtbiegen“ und zur Not einfach erfinden, weil sie genau wissen, dass manche Realitäten ohnehin nicht abgedruckt werden. Egal ob es nun um den Ukraine-Konflikt, den Syrien-Krieg oder auch um Vorgänge in Deutschland selbst geht – jeder der für diese Medien arbeitenden weiß, was geschrieben werden „darf“ und was nicht.

Klar, in Deutschland herrscht offiziell Pressefreiheit, doch die Medienunternehmen besitzen ebenso die unternehmerische Freiheit, Journalisten nicht zu beschäftigen, wenn sie nicht jene „passenden“ Stories liefern, die man den Lesern, Zuhörern und Zuschauern präsentieren möchte. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um private Medienkonzerne oder aber auch den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk handelt – oder haben Sie schon einmal in der Tagesschau einen objektiven und neutralen Bericht über die Ukraine-Krise bzw. den Syrien-Krieg gesehen? Wohl kaum.

So lange dieser interne Druck anhält, wonach bestimmte Sichtweisen quasi Tabu sind, wird sich auch an solchen Vorfällen nicht viel ändern. Wer weiß schon, wie viele weitere Journalisten ähnlich manipulativ arbeiteten wie Relotius. Wer weiß schon, wie oft die Medienkonsumenten mit Berichten versorgt werden, die als reine Propagandaarbeit verstanden werden können und es auch nur deshalb überhaupt in die Veröffentlichung schaffen.

Die angeblichen „Wahrheitsmedien“, wie sich die Mainstreammedien inzwischen im Orwell’schen Neusprech gerne bezeichnen, haben dieses System selbst geschaffen, indem unliebsame Reportagen keinen Platz bekommen und die Journalisten genau wissen, dass sie so nicht weiterkommen. Das was Relotius machte war absolut falsch. Doch es war gewiss nicht nur seine alleinige Schuld.

4 KOMMENTARE

  1. Man kann diese Aktion „Bauernopfer“ oder auch „Feigenblatt“ nennen.

    Der Artikel hat es deutlich dargelegt. Der „Spiegel“ selbst projiziert ein Erscheinungsbild. Wer sich dem unterwirft, der kann dort schreiben.

    Manche wollen dann besonders gut diesem Erscheinungsbild entsprechen und dann kommt es zu solchen total erfundenen Reportagen.

    Nun ist dieser Claas Relotius entlarvt. Dadurch wird der Spiegel in der Nach-Rudolf-Augstein-Ära jedoch um keinen Deut glaubwürdiger. Jetzt wird man sich wieder an die erforderlichen Dosierungen halten und die Falschmeldungen, Unterstellungen, Auslassungen, Weglassungen und plumpe Lügen wieder in feinen Prisen darbieten.

    Personen mit Gedächtnis kennen ähnliches noch vom Stern und stern-tv.

    Durch diese vordergründig zur Schau gestellten „Selbstreinigungen“ werden diese Blätter keineswegs lesenswerter und behalten ihre Unglaubwürdigkeit.

  2. Vielleicht hat er was geschrieben, was wem nicht passt? Wer weiß das schon genau? Es bekommen doch alle Blätter „Presseförderung“ von den reGIERenden POlitikern. Solange das geschrieben wird, was den POlitikern nützt. Mühsam geraubtes Steuergeld wirft man nicht zum Fenster raus.
    Steht dann der Verlag vor der Entscheidung Presseförderung oder Wahrheit, also Weitermachen oder Bankrott, was wird er wählen?

  3. Wer Spiegel liest ist selber schuld.
    Er hat eine Ader für Verblendung.

    Selbstreinigung; was heißt das schon?
    Die Flucht nach vorne antreten.

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