König Salman von Saudi-Arabien. Bild: Official White House Photo by Pete Souza
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Die unermesslichen Ölreserven Saudi-Arabiens sorgen für ein wirtschaftliches Erpressungspotential. Das weiß man in Riadh ganz genau – und ist so ein gefährlicher Alliierter.

Von Marco Maier

Es ist allseits bekannt, dass aus den Kreisen der saudi-arabischen Oberschicht Unsummen an salafistische Gruppierungen fließen und sogar in die Hände terroristischer Gruppen gelangen. Gleichzeitig nutzt das islamistische Regime die Vormachtstellung im sunnitisch-arabischen Raum dafür, eigene realpolitische Interessen durchzusetzen und scheut auch nicht davor zurück, im Nachbarland Jemen Millionen Menschen verhungern zu lassen.

Und der Westen? Der ist darüber zwar nicht wirklich erfreut, doch angesichts der enormen Ölreserven und der Vormachtstellung in Sachen globaler Ölversorgung bleibt den Politikern in Washington, London, Paris, Brüssel und Berlin nichts anderes übrig als zu kuschen und mehr oder weniger wegzusehen.

Zwar übt man zwischendurch (wie nach der Ermordung Khashoggis) auch Kritik, doch wirkliche Konsequenzen gibt es nicht. Selbst der angebliche Verkaufsstopp von Waffen durch die deutsche Bundesregierung entpuppte sich als Irreführung – über Umwege gelangen die Saudis eben doch an ihr Kriegsgerät. Und wenn der Westen nicht verkauft, dann stehen schon andere – wie Russland oder China – bereit. Das ist auch ein Grund dafür, weshalb die westlichen Regierungen trotz allem ihre Rüstungsindustrien beim Verkauf von Kriegsgerät an das wahhabitische Terrorregime unterstützen.

Im Westen befürchtet man auch einen neuen Ölpreisschock wie damals in den 1970ern. Sollten die Saudis den Ölhahn für einige Zeit zudrehen, würden die Preise explodieren und dies die Inflation in den westlichen Industriestaaten deutlich anheizen. Auch deshalb scheut man sich vor Sanktionen gegen das Saudi-Regime, welches infolge seiner Machtposition quasi unantastbar ist.

Hinzu kommt der Umstand, dass die sunnitischen Wahhabiten die Schiiten als „Teufelsanbeter“ und „Glaubensabtrünnige“ betrachten – also laut dem Koran als todeswürdig ansehen. Die Feindschaft Saudi-Arabiens mit dem Iran sorgt dafür, dass gerade die USA das Land nach wie vor als natürlichen regionalen Alliierten ansehen. Ein Krieg gegen den Iran wäre ohne Unterstützung der arabischen Golfstaaten undenkbar, das weiß man in Washington auch.

Allerdings macht dies alles Saudi-Arabien zu einem höchst gefährlichen Alliierten. Immerhin wissen die Saudis um ihre Machtposition und nutzen dies natürlich gnadenlos aus. Doch wie lange noch? Was, wenn Erdöl irgendwann einmal keine große wirtschaftliche Rolle mehr spielt? Kommt dann der Tag der globalen Abrechnung?

2 KOMMENTARE

  1. Ein Alliierter oder ein Opfer naturgegebenen Erdöls?

    Weil der Orient vom Westen multipolitisch-multimilitaristisch verfolgt wird, genießen alle Orientalen in Grundgesetzismanistan mehr oder weniger genüsslich Asyl.

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