Erdölpumpe.

Libyen hat Afrikas größte Ölreserven. Der Versuch der EU, das Land wieder zu stabilisieren liegt auch darin begründet, den Ölpreis niedrig zu halten.

Von Marco Maier

Vor allem Italien und Frankreich versuchen die libyschen Ölfelder unter Kontrolle ihrer Ölkonzerne zu bekommen. Immerhin besitzt das nordafrikanische Land die größten Ölreserven Afrikas und seit dem Sturz von Staatschef Muammar al-Gaddafi mit Hilfe der NATO und unter Druck der damaligen US-Außenministerin Hillary Clinton (plus des massiven Drucks der französischen Regierung) herrschen in dem Land Chaos und Anarchie.

Doch gerade angesichts des wachsenden Drucks auf den Iran durch die USA und deren Sanktionen, die auch den iranischen Ölsektor betreffen, könnte der Ölpreis bald schon wieder deutlich ansteigen. Das liegt nicht wirklich im Interesse der Europäer, deren Gemeinschaftswährung Euro gegenüber dem US-Dollar (in dem die Ölkäufe nach wie vor abgewickelt werden) Federn lassen musste, was auch die Inflation anheizt, sollte der Ölpreis weiter steigen.

Zwar liegt die libysche Ölproduktion weiterhin unter dem Niveau von 2013 und davor, doch mittlerweile legen sie wieder zu. Das freut die Europäer – allen voran die Italiener und Franzosen – natürlich. Deshalb sind sie höchst interessiert daran, die politische Stabilisierung in dem zuvor mit ihrer Hilfe zerstörten Land voranzutreiben. Eigentlich eine gute Sache, wenngleich natürlich auch aus egoistischen Motiven.

Oilprice.com bringt die Lage in Syrien auf den Punkt:

Die Ölkrise in Libyen ist lediglich ein Spiegelbild der Spaltung des Landes, sie spaltet das geografische Zentrum, während sich der Bürgerkrieg fortsetzt. Es gibt zwei Verwaltungen: die von der UN unterstützte Regierung der National Einheit in Tripolis im Westen und eine inoffizielle Körperschaft im Osten, unterstützt vom Militärkommandanten Khalifa Haftar, der als de facto Herrscher fungiert und normalerweise anwesend ist, wenn die beiden Seiten miteinander sprechen. Jede Seite wird von einer Litanei von Milizen unterstützt, und das Bild wird durch Stadtstaaten und Schurken-Stammes-Clans noch weiter verschleiert.

Nach Gaddafis Sturz sollte Öl den Versöhnungsprozess schmieren. Im rohstoffreichen Osten wird Rohöl im Rahmen eines von der UN genehmigten Systems produziert, bevor es von der staatlichen Ölgesellschaft auf der anderen Seite des Landes verkauft wird. Dieses System soll sicherstellen, dass das gesamte Öl von Libyens National Oil Corporation (NOC) und nicht von den unzähligen Rebellengruppen verkauft wird. Im vergangenen Juni jedoch rettete Haftars Libysche Nationale Armee (LNA) vier Schlüsselhäfen von rivalisierenden Milizen und drehte die Hähne zu, wodurch fast die gesamte libysche Ölproduktion für mehr als zwei Wochen eingefroren wurde und die globalen Preise stiegen.“

Das soll dem Willen der Europäer nach nicht mehr geschehen. Auch deshalb versuchen sie, den Einigungsprozess voranzutreiben, auch wenn es schwierig ist, die traditionelle Stammesgesellschaft des Landes zu einen. Da wird wohl nur die Installation einer harten Militärdiktatur Abhilfe schaffen können.

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