Rodrigo Duterte. Bild: Youtube/Rappler

Der philippinische Präsident attackiert die gierige Katholische Kirche. „Wer wie ein Business agiert, soll auch wie ein Business besteuert werden“, so lautet nun die Gleichung.

Von Marco Maier

Auch wenn es angesichts der immer noch sehr großen politischen Einflussnahme der Katholischen Kirche und von Sekten wie der „Iglesia ni Christo“ sehr unwahrscheinlich ist, dass die Forderung von Rodrigo Duterte jemals realisiert wird, so wäre die letzte Konsequenz aus der Kirchenkritik des philippinischen Präsidenten die Besteuerung der Kirchen. Vor allem sein schwieriges Verhältnis zur Katholischen Kirche – immerhin der reichsten Organisation des Landes – wird deutlich.

„Wenn jemand getauft wird, muss man zahlen… wenn jemand stirbt, muss man zahlen. Bau dir eine Kapelle in deinem eigenen Haus und bete da. Man muss nicht in die Kirche gehen und für diese Idioten zahlen“, wetterte das philippinische Staatsoberhaupt gegen die Katholische Kirche des Landes, die allgemein dafür bekannt ist, sich auch an den ärmsten Menschen des Landes noch zu bereichern. Denn auch wenn das karge Einkommen kaum ausreicht um die Stromrechnung zu bezahlen und Essen auf den Tisch zu stellen, so geben die Menschen ihre letzten Pesos an die schwerreiche Kirche, weil sie von den Priestern geradezu moralisch dazu erpresst werden.

Man muss bedenken, dass Dutertes Kritik an der größten Religionsgemeinschaft des Landes nicht von ungefähr kommt. Immerhin hat die Römisch-Katholische Kirche in den Philippinen ein Nettovermögen von mehr als 100 Milliarden Peso – rund 1,7 Milliarden Euro. Mit der Forderung nach Geld auch von den ärmsten Filipinos hat die Kirche ihre Gewinne in ein Blue-Chip-Aktienportfolio investiert, das es ihr ermöglicht, ein Vermögen aufzubauen, das viele große Unternehmen neidisch machen würde. Entscheidend ist, dass all dies erreicht wird, ohne dass die Kirche Steuern zahlen muss.

Sämtliche anerkannten Religionsgemeinschaften genießen steuerliche Vorteile, die es ihnen ermöglichen, enorme Reichtümer anzuhäufen und gegenüber privatwirtschaftlichen Unternehmen enorme finanzielle Vorteile zu besitzen. Kein Wunder, dass beispielsweise der weltweit bekannte philippinische Boxer Manni „Pacman“ Pacquiao selbst eine Kirche gründete, die große Teile seines Vermögens verwaltet und arme Menschen im Land direkt von den Steuerersparnissen profitieren lässt – unter anderem durch kostenlose Häuser für die Besitzlosen. Doch im Grunde genommen ist auch diese Kirche nur ein (von Steuern befreites) „Business“.

Die Forderung nach einer Besteuerung von Religionsgemeinschaften dürfte jedoch in der philippinischen Politik kaum auf genügend Unterstützung stoßen. Gerade jene Kongressabgeordneten und Senatoren die wiedergewählt werden wollen, werden sich vor solch einem Schritt hüten – oder damit rechnen müssen, dass die Priester ihre Schäflein in den Sonntagsmessen dazu auffordern, einen anderen Kandidaten zu wählen. In einem Land, in dem viele Menschen noch tiefgläubig sind, ein gefährliches Unterfangen, sich gegen die Priesterkaste zu stellen.

Einen interessanten Kommentar in englischer Sprache dazu gibt es bei Eurasian Future.

3 KOMMENTARE

  1. Die Zeit spricht gegen sie, denn auch die Philipinos werden schlauer werden und was er sagt, kann man nur unterstreichen, im Gegensatz zu hier ist es halt deftiger und das scheinen sie nicht verstehen zu wollen, weil es den Nerv trifft und wer diesem Verein noch angehört, hat noch nicht begriffen, wen er vor sich hat, Heilsverkünder keinesfalls, denn sie sind des Teufels in allen Variationen.

  2. Wo er Recht hat hat er Recht.
    Als Profikenner der Philippinen hat er zu dem Thema sicher keinen Klärungsbedarf.
    Kein Zweiter traut sich das heiße Eisen zu benennen, geschweige denn anzufassen.

    • In der letzten Zeit hat er die Kirche immer wieder scharf kritisiert, was ihm den Zorn des Klerus einbrachte. Aber ich kenne inzwischen viele Filipinos die zwar katholisch aufwuchsen, mit der Kirche und deren Personal jedoch nichts (mehr) zu tun haben wollen. Sogar Atheisten und Agnostiker traf ich hier schon.

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