In Afghanistan setzen deutsche Soldaten für US-Interessen ihr Leben aufs Spiel und sind dort auf die Amerikaner angewiesen. Die Steuerzahler finanzieren das auch noch mit Milliarden an Euros.

Von Dr. Hans-Jürgen Klose

Der Bundestag hat die Truppenstärke der Bundeswehr in Afghanistan im Frühjahr von 980 auf 1300 Mann erhöht. Seit Deutsche an den Hindukusch entsandt sind, hat die Bundeswehr 57 Tote plus der Toten aus dem Kommando Spezialkräfte, deren Anzahl nicht veröffentlicht wird, zu beklagen. Dass zusätzlich 3,7 Mrd. Euro die zusätzlich zu den laufenden Kosten für die Truppe dort versackt sind, davon will man schon gar nicht mehr reden. Wofür starben unsere Soldaten? Ist irgendjemand da, der den Abgeordneten die Einsatz- und Rahmenbedingungen einmal erklärt hat? Gibt es einen geopolitischen Stab, der zusammen mit dem BND die Parlamentarier auf dem Laufenden hält? Alles Fehlanzeige – die USA pfeifen und wir haben zu springen. Es ist das Leben unserer Soldaten, das in die Einsätze geworfen wird – niemand der hier der Fürsorgepflicht nachkommt?

An sich ist seit Ende 2014 der ISAF-Einsatz beendet. Von Jordanien aus nehmen unsere Aufklärungstornados weiterhin am Kampf gegen den IS und die Taliban teil. In 32 von 34 afghanischen Provinzen wird gekämpft. War nicht mal von Frieden und Demokratisierung die Rede?

Afghanistan ist nicht nur Gegenstand amerikanischer Interessen, es ist zudem Schauplatz von Stellvertreterkriegen die unserer Bundesregierung völlig unbekannt sind.

Das Nachbarland Pakistan hat einen grenzenlosen Bezug zu den Taliban, die wie die Mehrzahl der Pakistani Paschtunen sind. Afghanische und pakistanische Paschtunen betrachten sich als ein gemeinsames Volk. Die Grenze zwischen beiden Ländern ist in ihren Augen eine Erfindung des Westens – was sie in Wirklichkeit auch ist. Der bei uns oft zitierte „Rückzugsraum der Taliban“ ist Gesamtpakistan.

Pakistan lehnt weiterhin jede diplomatische Beziehung zu Israel ab. Was das in Bezug auf die Hauptkriegsmacht Amerika, vor allem seit Trump Jerusalem als Hauptstadt anerkannt hat, bedeutet, kann man sich an fünf Fingern abzählen. Die westlichen Kommandostrukturen in Afghanistan sind so, dass deutsche Soldaten immer auf Amerikaner angewiesen sind. Ob die antiwestlichen Rebellengruppen aus Afghanistan selbst, aus Pakistan oder Indien kommen, lässt sich nicht nachverfolgen. Pakistan hat traditionell instabile Regierungen, ist jedoch Atommacht. Wie nah die Rebellen den Sprengköpfen sind, lässt sich bei der Muslimliga-Regierung schwer sagen.

Der gesamte Einsatz hat weder Frieden noch politische Stabilität gebracht, wohl aber tausende toter Zivilisten. Die vielen Flüchtlinge aus Afghanistan in Deutschland leben weiterhin im Kriegsmodus.

Militärisch gesehen mangelt es Pakistan an strategischer Tiefe (Die Entfernung Kabul – Islamabad beträgt auf dem Landweg keine 500 Kilometer. Kaschmir ist eine der unsichersten Regionen der Welt. Die aggressiven Haltungen zwischen Pakistan und Indien lassen eine diplomatische Lösung für Afghanistan überhaupt nicht zu – jede Vereinbarung die in Kabul unterschrieben wird, ist das Papier nicht wert auf dem es steht.

Wir vergeuden Unmengen Geld und riskieren weiterhin das Leben unserer Soldaten ohne dass eine Aussicht besteht, dass sich dort irgendetwas zum Besseren wenden kann. Auf der Seite des Rechts stehen wir dort von Anbeginn an nicht.

6 COMMENTS

  1. Da hat man über ein Jahrzehnt Aufbauarbeit für Pazifismus und ökologisches Wirtschaften an der „grünen“ Parteibasis geleistet, und dann warf Joschka Fischer Bomben auf Belgrad. Als Bürger ist man also betrogen worden, wie es schlimmer nicht denkbar ist – wegen des schon in jüngeren Jahren gewalttätigen Joschka Fischer, vor allem aber deshalb, weil es keinen Aufschrei an der Basis gab und nach wie vor keinen Parteiausschluss des Übeltäters.

    Eine friedfertige Minderheit im Bundestag, die am 12.12.2017 gegen den Syrienkrieg gestimmt hat, nämlich Die Linke und die AfD, lässt sich von der großen kriegerischen Mehrheit in „links“ und „rechts“ spalten, statt lautstark gemeinsam nach Frieden zu rufen und die Kriegsfraktionen (CDU, CSU, SPD, FDP, einige Grüne) anzuprangern.

    So sind chronische Kriege auch in Deutschland zur Dauerinstitution geworden. Der Zorn und die Vergeltung seitens der Geschädigten im Orient sind verständlich. Die Frage nach der Kollektivschuld insbesondere der Wohlstandsbürger, die unbedacht blutigen Kraftstoff auch für oftmals unnötigen Verbrauch tanken, ist zu stellen – um so mehr, als heutzutage niemand sagen kann, sie/er habe nicht gewusst, dass sie/er sozusagen Menschenblut orientalischer Ölkriegsopfer tankt.

    Bürger werden belogen, die Bundeswehr wird missbraucht, und die parlamentarischen Kriegsverbrecher gebärden sich zynisch als Welcome-Gutmenschen.

  2. Herr Wendelgard, endlich ein Ansatz, der weiterführen kann!
    Beim Widerstand gegen die Kriegsparteien müssen Links-Rechts-Diskussionen hintanstehen.

    Von der Analyse her hochinteressant wäre es, den Extremismus der Mitte sauber nachzuweisen.
    Adorno folgend müssten die Paradigmen anders gelegt werden und zwar so, dass die extremistischen Haltungen der „Parteien der Mitte“ sichtbar werden.
    Das ist möglich, verlangt aber einiges an gedanklicher Schärfe!
    Sehe mich selber kaum in der Lage dazu.

    • Wie wäre es, statt zwischen „links“ und „rechts“ einfach zwischen „kriegstreiberisch“ und „friedensbereit“ zu unterscheiden? Dann steht die mehrheitliche „Mitte“ im Schatten.

  3. wisst ihr was mich ankotzt kontra magazin?
    daß eure werbebanner so schlampig programmiert sind, teilweise in die artikel reinragen, und wenn man einen artikel liest,der ständig in der schrift nach oben oder unten springt, sodaß man ne macke bekommt, weil der ständig etwas nachlädt.
    es macht kein spaß mehr sich bei euch zu informieren, ändert das

  4. Der Krieg gegen fremde Völker ist zur Gewohnheit geworden, ja sogar zu einer politischen Sucht. Welche Anstifter und Profiteure stecken hinter den chronischen Kriegen?

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