Wladimir Putin und Angela Merkel unterhalten sich. Bild: Pressedienst des russischen Präsidenten

Russland und Deutschland haben eine lange historische Beziehung zueinander, die bis in die Zaren- bzw. Kaiserzeit zurückreicht. Geopolitisch ist dies ein wichtiger Punkt.

Von Dr. Hans-Jürgen Klose

Die Russen haben geschichtlich viele und starke Verbindungen mit Deutschland. Am Beispiel Russland erkläre ich was ich im gestrigen Artikel („Das große Spiel – Geopolitik“) nur anreißen konnte.

Russen haben ein Faible für Deutschland. Nicht nur dass Putin vier Jahre in Dresden war, sondern auch weil Russen Respekt vor deutscher Sauberkeit und deutschem Organisationstalent haben. Die Herzlichkeit mit der man in Russland willkommen geheißen wird, ist nicht gespielt. Natürlich weiß jeder wie schrecklich der „große vaterländische Krieg“ gegen Deutschland war, aber man trägt uns nicht nach. Diejenigen die in der DDR gelebt haben, werden das wohl bezeugen.

Geschichtlich (und im Geschichtswissen macht jeder Russe dem Durchschnittsdeutschen etwas vor) haben wir mit Katharina der Großen für immer bei Russen einen Stein im Brett, auch wenn man sich das hier gar nicht vorstellen kann. Katharina war Tochter eines preußischen Generals aus dem Adelsgeschlecht der Askanier, geboren als Sophie von Anhalt-Zerbst. Die junge von Anhalt-Zerbst verdankte ihren Platz auf dem Zarenthron dem Preußen Friederich dem Großen, der die deutsch-russische Ehe vermittelte. Katharina wird immer noch in Russland hoch verehrt – und natürlich weiß dort jeder, dass sie eine Deutsche war. Solche emotionalen Festlegungen bestimmen das kollektive Bild, das Menschen von Ländern und deren Bewohnern haben.

Die Rolle, welche die russisch-orthodoxe Kirche in Putins Reich spielt, darf zudem nicht unterschätzt werden. Russen sind in der Regel viel religiöser als Christen in Deutschland. Putin ist nach dem Untergang der Sowjet-Ideologie sehr darum bemüht, dem Staat einen Sinn zu geben und setzt dabei stark auf die Tradition des Landes. Die christliche Reichsidee reichte bis in die Sowjetzeit und dieses Bild versucht Putin zu bestärken – Russland als letzte Festung des christlichen Abendlandes – als Hort überlieferter Werte, der sich von der Dekadenz des Westen absetzt.

In Russland hat man mir oft erklärt, dass wenn es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben hätte, es in Russland auch kein Fernsehen gäbe – weil täglich auf wenigstens einem Programm der Krieg ins Wohnzimmer kommt. Aber selbst das taucht Deutsche trotz aller Schrecken in ein glorifizierendes Licht. Wer bei uns könnte auch nur einen russischen General aus der Zeit nennen? Von Paulus bis Jodl und von Manstein kennen russische Oberschüler die Feinde von früher – mit ein Grund dafür, dass deutsche Manager dort sehr beliebt sind. Dass Gerhard Schröder als nicht mehr wegzubekommende Verbindung regelmäßig in den Schlagzeilen ist, komplettiert das russische Bild einer völkerverbindenden Gemeinsamkeit.

Dass sich das Baltikum und Polen nun unter die Flügel der NATO begeben haben, hat in Russland weniger für Empörung als vielmehr für Spott gesorgt.

Die Ukraine ist zur Hälfte altes österreichisches Reichsgebiet. Im östlichen Teil wohnen hingegen seit eh und je die Menschen russischer Abstammung, die sich automatisch auch zu Russland bekennen. Was diese Themen angeht, handelt der Westen eben geopolitisch „amerikanisch“ – also nur strategisch und untermauert das auch noch mit grenznahen Manövern (Russland war beim Manöver Wostok 2018 darum bemüht, den Westen nicht zu provozieren und legte die Manövergebiete grenzfern). Dennoch wird die Ostukraine wieder Teil Russlands werden, weil die Menschen dort russisch fühlen und denken und sich nicht brechen lassen. So hat auch die Krim erfahren, dass Russland sie nicht im Stich lässt.

Und Deutschland?

Nach dem Abzug der russischen Truppen 1994 aus Deutschland sind wir in Bezug auf russische Ansprüche freigestellt worden – ganz im Gegensatz zu dem, was unsere Befreier von jenseits des Atlantiks tun. Und hier beginnt sich das Blatt jetzt zu wenden. War der Abzug der russischen Soldaten für die Menschen in Deutschland ein Wiedererhalten der Freiheit, so ist die Wende nun unter Trump für die meisten ein Im-Stich-gelassen-werden aus amerikanischem Egoismus heraus. Aus welchem Grund 35.000 amerikanische Soldaten noch heute bei uns in Deutschland sind, soll doch mal erklärt werden. Dass auch Niedländer, Engländer, Belgier und Kanadier noch hier sind, komplettiert das Bild vom besetzten Deutschland.

All das wartet im kollektiven Unbewussten darauf in der Realität beantwortet zu werden. Ein Austritt aus der NATO ist daher für Deutschland längst überfällig. Der Austritt würde sofort Kommando- und Planungsstrukturen der Bundeswehr zugute kommen. Die die Welt zur Zeit bewegenden Umbrüche werden auch das mit sich bringen.

1 KOMMENTAR

  1. Ich staune, daß ich der Erste mit einer Antwort bin. Andere staunen wohl noch und trauen sich nicht aus den „Schützengraben“, „der Iwan kommt“.
    Die Russen sind weltoffene Menschen. Ich habe 5 Jahre da studiert. Da war der 2. Welt-Krieg erst 25 Jahre vorbei.
    Ich hatte Muffensausen- wie reagieren die Leute auf Deutsche? Ganz normal. Die sind hier, wir lernen sie kennen, und dann sind sie weg und kommen, wenn sie was können, wieder. Verbesserung der staatlichen Beziehungen.
    Unsere Immigranten sind doch so etwas ähnliches wie eine Zwangsheirat. Wenn da der Deckel auf dem Druckkochtopf weggenommen wird, fliegt da etwas an die Decke.
    Alternative: Guckt Euch eine Initiative aus Brück an. „Titanen“ „Brueck“. Da fahren welche mit Planwagen anno 1700 bis nach Weliki- Nowgorod. Friedliche Pferde Kaltblüter. Euer Opa weiß noch: die bringen Bier.

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