Der rechtskonservative Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro muss nach dem ersten Wahlgang gegen den sozialistischen Kandidaten Fernando Haddad in die Stichwahl. Brasilien ist politisch polarisiert und gespalten.

Von Marco Maier

Der bei den Menschen in Brasilien höchst unbeliebte und nur durch einen Putsch gegen Amtsvorgängerin Dilma Rousseff an die Staatsspitze gelangte Michel Temer muss gehen. Bei der gestrigen Präsidentschaftswahl, zu der rund 145 Millionen Menschen wahlberechtigt waren, zeichnete sich schon rasch eine Führung des Kandidaten der rechtskonservativen „Sozialliberalen Partei“, Jair Messias Bolsonaro ab, der von den westlichen Medien gerne als „Brasiliens Trump“ bezeichnet wird.

Der als homophob und rassistisch geltende katholische Politiker konnte nach Auszählung von 99 Prozent der Wahlkreise rund 49 Millionen Stimmen auf sich vereinigen und verfehlte mit 46,2 Prozent die absolute Mehrheit, wodurch eine Stichwahl nötig sein wird. Dort tritt der 63-jährige Ex-Offizier gegen den Kandidaten der sozialistischen Arbeiterpartei, Fernando Haddad, an, der knapp 31 Millionen Stimmen und damit 29,1 Prozent erhielt. Die anderen Kandidaten, darunter Ciro Gomes (PDT, 12,5 Prozent) und Geraldo Alckmin (PSDB, 4,8 Prozent) blieben chancenlos.

Sollte Bolsonaro es im zweiten Wahlgang schaffen, stünde er allerdings ohne parlamentarische Mehrheit da. Seine Partei, die als militaristisch, nationalkonservativ, wirtschaftsliberal und rechtspopulistisch gilt, besitzt im Abgeordnetenhaus gerade einmal neun von 513 Sitzen, hat keinen Senator und keinen Gouverneur und ist auch nicht Teil der Mitte-Rechts-Koalition aus insgesamt elf der 25 im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien.

Brasilien selbst in politisch stark gespalten. Die beiden großen politischen Lager links und rechts der Mitte sind unversöhnlich miteinander verstritten und sorgen immer wieder mit politisch motivierter Gewalt für Aufsehen. Gleichzeitig nimmt sich keine Seite etwas, wenn es um die Korruptionsskandale geht, die das Land regelmäßig erschüttern.

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