Für Italien ist der Euro viel zu stark, für Deutschland viel zu schwach. Die EZB kann ihre Geldpolitik aber nicht auf beide Länder ausrichten.

Von Marco Maier

Die Eurozone hat ein großes Problem. Ein sehr großes. Und das ist der Außenwert der europäischen Gemeinschaftswährung. Dies zeigt eine Untersuchung des Internationalen Währungsfonds (IWF), in der die Währungen mehrerer Länder in Bezug auf deren Wirtschaftskraft und generelle Situation und deren Außenwert im Vergleich zu anderen Währungen analysiert wurde. Und das ist ein großes Problem für die Europäische Zentralbank (EZB).

Denn laut dieser Studie (siehe Grafik von Mish Talk oben) ist der momentane Kurs des Euro für Italien um 9 Prozent zu hoch, für Deutschland jedoch um 11 Prozent zu niedrig. Im letzten Jahr lag der Außenwert der Gemeinschaftswährung für Italien noch um 5 Prozent zu hoch, für Deutschland sogar um 15 Prozent zu niedrig. Zum Vergleich: Der US-Dollar müsste laut dem IWF zu den anderen Währungen um etwa 15 Prozent devaluieren, um so mit der US-Realität schritthalten zu können, während Brasiliens Real um zehn Prozent aufwerten müsste.

Eigentlich müsste die EZB den Euro nun weiter schwächen, um Italien zu helfen – doch das würde die deutsche Konjunktur überhitzen. Und um das Ungleichgewicht, welches durch die deutschen Außenhandelsüberschüsse entsteht zu dämpfen, müssten die europäischen Währungshüter den Euro eigentlich aufwerten – was jedoch Italien (und andere Euro-Südländer) vollends in den wirtschaftlichen und finanziellen Abgrund stürzen würde. Das ist ein Dilemma, welches man schon vor der Schaffung der Gemeinschaftswährung hätte bedenken müssen.

Die logische Konsequenz daraus wäre es, einen Nord- und einen Süd-Euro zu schaffen, um so die wirtschaftlichen Spannungen innerhalb der Währungsunion abzubauen und es gerade den Südländern zu ermöglichen, Strukturreformen ohne große Brüche durchzuführen. Auch wenn dies dazu führen würde, dass die Gläubiger um einen Teil ihrer Forderungen umfallen würden, weil auch die Schulden der Süd-Staaten in die neue Währung umgeschrieben werden müssten.

1 KOMMENTAR

  1. Bei näherer Betrachtung der „hohen Außenhandelsüberschüsse“ und der daraus resultierenden Target-2-„Forderungen“ unserer Bundesbank, ist der Gedanke nicht abwegig, dass hier verdeckte Reparationszahlungen stattfinden bzw. stattgefunden haben.

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