China verteidigt die Massen-Umerziehungslager für muslimische Uiguren

In den Umerziehungslagern würden die muslimischen Uiguren zu „besseren Menschen“ erzogen, erklärt die chinesische Führung. Sie sieht im Islam eine „ansteckende Krankheit“.

Von Marco Maier

Zwei Monate nachdem ein Menschenrechtsgremium der Vereinten Nationen China zum ersten Mal beschuldigt hatte, bis zu einer Million Uiguren in einem „massiven Internierungslager, das geheim gehalten wird“, zu internieren, haben chinesische Beamte nun die Existenz der „Umerziehung“ zugegeben. Die Lager konzentrierten sich auf die „Verhinderung“ von religiösem Extremismus und haben eine erbitterte Verteidigung eingeleitet. Sie gehen sogar so weit zu sagen, dass frühere Häftlinge „zum Besseren verwandelt“ wurden und ein glücklicheres Leben als „Bürger der Nation“ führten.

Obwohl Berichte über die Orwell’schen Massen-Internierungslager, in denen „Gehirnwasch“-Techniken als Routine gelten, das westliche Publikum schockiert haben, da Details und Zeugenaussagen in den letzten Wochen aufgetaucht sind, hat China nun nicht nur schamlos in die Zentren zugegeben, sondern ist auch das ganze Unternehmen. Immerhin sieht man in Peking – wie wir bereits berichteten – den Islam als „ansteckende Krankheit“ an, welche man kurieren müsse.

Die ethno-religiöse Minderheitengruppe in der westchinesischen Provinz Xinjiang wurde in letzter Zeit von den chinesischen Behörden verstärkt verfolgt und überwacht, da ihre kollektive sunnitische islamische Identität und ihre separatistischen politischen Bewegungen zu historischen Spannungen mit der kommunistischen Regierung geführt haben. Uighurische Extremisten haben den letzten Jahren immer wieder Terroranschläge durchgeführt, um ihren Forderungen nach Unabhängigkeit Nachdruck zu verleihen, was zu restriktiven Vergeltungsmaßnahmen Pekings führte.

Peking wurde in den letzten Jahren beschuldigt, kollektive Bestrafung und massive Razzien gegen die uigurische Bevölkerung in Xinjiang zu praktizieren, die insgesamt 11 Millionen Menschen zählt (Schätzungen zufolge bis zu 15 Millionen; Chinas muslimische Gesamtbevölkerung liegt bei etwa 21 Millionen). Die ethnische Minderheit ist auch in den benachbarten Ländern Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan zu finden. Jüngste UN-Erklärungen haben die staatlichen Behörden dafür verantwortlich gemacht, dass prominente uigurisch-chinesische Bürger und Dissidenten „verschwunden“ sind.

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Obwohl die Behörden heute das, was der chinesische Beamte in diesem letzten Interview als „Berufsausbildung“ bezeichnet haben, nutzen wollen, scheint es eine koordinierte PR-Kampagne zu geben, die gegen die jüngsten Berichte über schockierende Zeugenaussagen von Opfern in den Lagern vorgeht. Reuters bestätigt, dass chinesische Beamte in den letzten Wochen, nachdem sie anfänglich pauschale Verleugnungen abgegeben hatten, sagten, sie würden keine willkürliche Inhaftierung und politische Umerziehung in einem Netzwerk von Geheimlagern durchsetzen, sondern einige Bürger, die sich wegen geringfügiger Vergehen schuldig gemacht hätten Beschäftigungsmöglichkeiten bieten“

Der hochrangige Regierungsbeamte Shohrat Zakir sagte den chinesischen Staatsmedien in dem Interview, dass China auf seine eigene Art und Weise „Terrorismus und Extremismus“ im Einklang mit internationalen Normen bekämpfe und dass „Praktikanten“ in den Lagern sogar „Bildungsabkommen“ unterschrieben haben und ein „konzentriertes Training“ erhalten, das „live-in-study“ beinhaltet. Er beschrieb alles vom Chinesischunterricht bis zum Unterricht über die nationalen Gesetze und grundlegenden beruflichen Fähigkeiten wie Kleidungsherstellung, Fabrikarbeit und Friseurhandwerk.

„Durch die Berufsausbildung waren die meisten Auszubildenden in der Lage, über ihre Fehler nachzudenken und das Wesen und den Schaden von Terrorismus und religiösem Extremismus deutlich zu sehen“, sagte Zakir im Interview. „Sie waren auch in der Lage, richtig von falsch zu unterscheiden und der Infiltration extremistischer Gedanken zu widerstehen“, fügte er hinzu.

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3 Kommentare

  1. Nicht einsperren, ausgliedern. Dahin wo man gut und gerne schiessen kann. Gobi, Afghanistan etc., da ist man unter seinesgleichen und keiner jault darüber wenn sich islamische Stämme gegenseitig ethnisch säubern. Dies gehört dort unten zum guten Ton. Da keiner der da hausenden „Experten“, auch jene vom gleichem sogenanntem Glauben, neben sich duldet. Also doch irgendwie eine Art Krankheit denn sie dulden niemanden, es ist eine Art Totaltoleranz.

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