Kim Jong-un vor einer Hwasong-12-Rakete. Bild: KCNA

Um die nukleare Abrüstung Nordkoreas voranzutreiben geht nun Südkorea in die Offensive. Man vertraut den Amerikanern offenbar nicht mehr wirklich.

Von Marco Maier

Trumps Treffen mit Kim Jong Un in Singapur war schon ein Schlag ins Gesicht der Südkoreaner – und ein solcher Gesichtsverlust ist in den meisten asiatischen Kulturen unverzeilich. Auch der Umstand, dass Washington seine Alliierten in Seoul in Sachen Gespräche hinsichtlich der nuklearen Abrüstung des Nordens weitestgehend außen vor gelassen hat, dürfte kaum zu einer Besserung des Verhältnisses geführt haben. Nur der Umstand, dass die Vereinigten Staaten quasi als Schutzmacht des Landes auftreten, hält die Südkoreaner bislang wohl davon ab, forscher zu reagieren.

Stattdessen nimmt Seoul die Gespräche über die nukleare Abrüstung des Nordens selbst in die Hand. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, ist eine fünfköpfige Delegation unter Leitung des nationalen Sicherheitsberaters Chung Eui Yong heute Morgen Ortszeit von einem Militärflughafen in Seoul nach Pjöngjang abgereist, um so die Gespräche vorantreiben zu können.

Südkorea hat ein großes Interesse daran, die Beziehungen zum Norden zu normalisieren. Die latente Bedrohung durch die umfangreichen Artillerieanlagen direkt entlang der entmilitarisierten Zone, die im Kriegsfall einen großen Bereich des nördlichen Grenzgebiets Südkoreas – inklusive der Hauptstadt Seoul – in Trümmer bomben könnten, sind nach wie vor eine existentielle Bedrohung. Umso wichtiger ist es für Südkorea, sich nicht von der bellikosen Rhetorik der Amerikaner (in die Irre) leiten zu lassen, sondern vielmehr einen Ausgleich zu suchen. Und das scheint derzeit der Fall zu sein.

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