Expresszeitung.com - Jetzt abonnieren!

Auch wenn es früher schon Inflationszeiten gab, die vor allem durch schlechtere Metallqualität hervorgerufen wurde, so ist die massive Geldentwertung eine „Erfindung“ der Neuzeit. Diese Fakten werden Sie verblüffen.

Von Marco Maier

Jim Reid, ein „Kredit-Stratege“ der Deutschen Bank, untersuchte die Geldwertstabilität der letzten 800 Jahre in mehreren Ländern auf mehreren Kontinenten. Dabei stieß er auf neun interessante Fakten, die einem die Augen öffnen. Gerade wenn es um das moderne „Fiat Money“-System und die Etablierung von Zentralbanken und Papiergeld geht.

Die Grafik oben zeigt den Vergleich der Preise in insgesamt 25 Ländern der Welt, die mit Hilfe sämtlicher verfügbarer Daten zu den in den ganzen Jahrhunderten geltenden Preisen erstellt wurde. Auch wenn sich in diesen Zeiten die Währungen immer wieder änderten, gibt es die Möglichkeit, sich die jeweilige Preisbasis auszurechnen, und so auch die Teuerungsrate.

Hier die Fakten:

  1. Die Zeit der großen Inflationen startete mit der Errichtung des Federal Reserve Systems in den USA und mit der Schaffung von Zentralbanken rund um die Welt, welche die Ausgabe von Papiergeld in ihre Hände nahmen und nicht selten von den Regierungen dazu benutzt wurden, um ihre Ausgaben über die Notenpresse zu finanzieren.
  2. Mit der Aufgabe der goldgedeckten Währungen ab den 1970er-Jahren wurde es insgesamt noch schlimmer, weil der Absicherungsmechanismus durch das Edelmetall seitdem nicht mehr gegeben ist.
  3. Kein Land hat seit 1971 eine durchschnittliche jährliche Inflation von unter 2 Prozent gesehen, als wir in ein globales Fiat-Währungssystem (87 in unserer Stichprobe) einstiegen, nur 28 im Durchschnitt weniger als 5 Prozent. Kein Land hat seit 1900 eine durchschnittliche jährliche Inflationsrate von unter 2 Prozent (25 in unserer Stichprobe) und nur 4 zwischen 2 und 3 Prozent verzeichnet.
  4. Die britischen Preise (längste Geschichte, die wir haben) waren zwischen 1800 und 1938 mehr oder weniger unverändert, sind aber in den 80 Jahren seit diesem Punkt um ein erstaunliches 50-faches (4885 Prozent) gestiegen. In den 728 Jahren zwischen 1210 und 1938 stiegen die Preise nur um das 26-fache.
  5. 1980-1999 war die Hochphase der Finanzgeschichte für Hyperinflationen, gefolgt von der Periode des Zweiten Weltkriegs, als es im Vorfeld viele Währungscrashs (man denke an die Hyperinflation in Deutschland in den 1920er-Jahren) gab.
  6. Die britischen Hauspreise (längste Vermögenspreisreihe, die wir haben) benötigten bei den nominalen Preisen 649 Jahre, um bis zum Jahr 1939 um 887 Prozent zu steigen (0,4 Prozent annualisiert). In den letzten 79 Jahren stiegen die Preise jedoch um 41.363 Prozent (annualisiert 8 Prozent). Wie die real angepasste Serie zeigt, handelt es sich nicht einfach um eine Inflationsgeschichte.
  7. Zwischen 1290 und 1939 fiel der reale Preis eines britischen Hauses im Verlauf der 649-jährigen Periode um 49 Prozent. In den letzten 79 Jahren stiegen die realen Preise um 834 Prozent (annualisiert 3 Prozent).
  8. Trotz des aktuell beeindruckenden US-Bullenmarktes sind in diesem halben Jahrhundert bisher (2000-2018) die schwächsten durchschnittlichen nominalen und realen US-Aktienrenditen zu verzeichnen. Die annualisierten Zahlen für jedes halbe Jahrhundert sind 6,98 Prozent (1800-1850), 7,82 Prozent (1850-1900), 7,39 Prozent (1900-1950), 13,55 Prozent (1950-2000) und 5,64 Prozent (2000-18) nominal und 7,48 Prozent (1800-1850), 7,07 Prozent (1850-1900), 4,91 Prozent (1900-1950), 9,17 Prozent (1950-2000) und 3,45 Prozent (2000-2018) real.
  9. Der Zeitraum 1950-2000 war einzigartig für Inflation, Vermögenspreise und Bevölkerungswachstum. Die Weltbevölkerung wuchs in diesem Zeitraum um 142 Prozent von 2,5 auf 6,1 Milliarden Menschen. 1968 war jenes Jahr in der Geschichte mit dem höchsten Wachstum der Weltbevölkerung (+2,09 Prozent). 2018 wird erwartet, dass diese Wachstumsrate zum ersten Mal unter 1,1 Prozent fällt, seit die jährlichen Daten ab 1950 geschätzt wurden. In Zukunft wird diese jährliche Rate auf zentralen UN-Prognosen bis 2050 auf 0,53 Prozent und bis 2099 auf etwa 0,10 Prozent geschätzt.

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here