Braucht Deutschland eine Wertedebatte? Und wenn ja, wer setzt diese durch?

Von Dr. Hans-Jürgen Klose

Als ich gleich nach dem Fall der Mauer zuerst nach Ostberlin und dann nach Dresden fuhr, fühlte ich mich in die 50-iger Jahre zurückversetzt. An den Straßenrändern standen kleine Mädchen mit Kniestrümpfen und boten selbstgepflückte Blumensträuße zum Verkauf an. Alles wirkte, war man westdeutsche Städte gewohnt war, so unverdorben – und so unverdorben sprachen auch die Menschen. Keiner kannte das, was den Kapitalismus im Alltagsleben ausmacht. Es waren damals Gespräche die ganz offen legten was man wollte – die Angst hereingelegt zu werden, die Wichtigkeit des Geldes in der Selbstdarstellung gab es im „wiedervereinigten Osten“ noch nicht.

Wie Wölfe fielen Banken und Versicherungen in die brave Ex-DDR-Gesellschaft ein. Es wurden Versicherungen abgeschlossen die kein Mensch brauchte und Geld verliehen von dem jeder Banker dass es nie zurückgezahlt werden kann.

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Die Wiedervereinigung wurde mit vielen Sorgen und Existenznöten bezahlt. Heute kann man rückblickend sagen „Die DDR war eine Gesellschaft in der Harmonie und Miteinander Bedeutung hatten.“

Wenn sich heute noch ein Politiker traut nach einer Wertedebatte zu fragen – also nach dem was Fundament der Gesellschaft sein mag, wird er bald merken, dass dieser Wunsch auch von Parteikollegen nicht gern gehört wird. Zu fragen „Was ist deutsch?“ traut sich schon keiner mehr. Ja, ja die Freiheit muss wohl zum Teil mit Schweigen erkauft werden.

Die blühenden Landschaften wurden nicht verwirklicht, dafür kamen die Slogans vom „Unumkehrbaren“ auf. Solches Gerede ist das Pfeifen im Keller der Politik.

Wer setzt endlich eine Wertedebatte durch? Eine Debatte die auf allen Ebenen geführt werden muss – Umfragen, parteiinterne Ergebnisse, Fragen die den Arbeiter bei VW genauso betreffen wie unsere Abgeordneten in Berlin davon betroffen sind. Die Auswertung unter öffentlicher Aufsicht, meinetwegen unter Polizeischutz.

Als das Wort „deutsch“ aufkam, gab es noch kein Deutschland. Anders als alle übrigen Länder haben wir lange um einen einheitlichen Staat gerungen. Glaube keiner, dass er den innerhalb weniger Jahre seiner Wurzeln berauben kann. Wer Heiko Maas anschaut, der sieht wie ein Unwissender bei allen seinen Auslandsbesuchen und Äußerungen vor hiesigen Presse versucht, das „Deutsche“ unter den Teppich zu kehren. Nie haben wir einen so schlechten Repräsentanten unseres Landes gehabt. Wie sehr die Medien bemüht sind, Maas in ein gutes Licht zu rücken, zeigt wo die Medien stehen. Trump scheint als erster bemerkt zu haben – sein andauerndes Gerede von den „Fake News“ lässt keinen anderen Schluss zu. Die Presse ist zu einer von niemandem gewählten 4. Macht im Staat geworden. Hier gilt es die Schere anzusetzen bevor alle verblöden. Medienvielfalt ist kein Garant für Ehrlichkeit der Berichterstattung – aus dieser Falle müssen wir heraus. Internet darf nicht zum Spielball von Grüppchen und Gruppen bis hin zu Geheimdiensten werden, auf dem das Bild unserer Wirklichkeit gezeichnet wird. Politik ist auch für den Schutz der Bürger da - nicht nur vor messerstechenden Afghanen.

2 KOMMENTARE

  1. Der Autor wirft eine sehr gute Frage auf und hat auch gute Argument für eine Wertedebatte.

    Ich bin auch für eine Wertedebatte, auch in der Breite, wie sie der Autor darlegt.

    Doch dafür bedarf es, dass wir erst wieder eine einheitliche Sprache haben.

    Der Ethnozid ist weitestgehend abgeschlossen. Die alleinige Deutungshoheit der Sprache liegt bei den etablierten Parteien, ihren Organisationsstrukturen und wird über die MSM verbreitet, die sich ebenfalls als Deutungspolizei aufspielen - quasi eine Doppelfunktion ausüben.

    Längst sind ursprüngliche, alltägliche, übliche, „harmlose“ Begriffe zu Kampfbegriffen umfunktioniert worden, wer sie weiterverwendet wird angegriffen und geächtet. Historische Fakten wurden aus der Geschichte getilgt „Damnatio memoriae“ oder völlig umgedeutet.

    Es gibt kaum noch qualitativ gute gedruckte Nachschlagewerke. WIKIPEDIA ist der Ersatz geworden und wird, entsprechend des politischen Klimas, ständig umgeschrieben. Das betrifft nicht nur den gesellschaftswissenschaftlichen Bereich, das geht bis tief in die Naturwissenschaften.

    Dadurch und durch weitere Eingriffe gibt es auch keine öffentliche Debattenkultur mehr.

    Wer niveauvoll miteinander kommunizieren will, benötigt eine eineindeitige, identische Semantik. Die Sprachvereinfacher, Sprachzerstörer werden nicht freiwillig den Rückzug antreten. Und die anderen, die die Konservativen (früher: Bewahrer, Anhänger des Bestehenden, heute: Reaktionäre, Rechte) würden ihr eigenes Anliegen ad absurdum führen, wenn sie sich dem Sprach(gebrauch)verfall der linksrotgrünen Gutmenschen annäherten.

    Also ein antagonistischer Widerspruch. So bleibt derzeitig, auch eine sehr gut angedache Wertedebatte leider nur Utopie.

  2. Treffender Artikel wie ich meine. Es ist beschämend, wie vollkommen sich unsere Gesellschaft ökonomischen Sachzwängen, dem Diktat der Märkte, der Herrschaft des Geldes unterworfen hat. Zudem beweist die ständig präsente Forderung einer Diskussion um Werte seitens der Politelite die moralische Verkommenheit dieser Leute.

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