Die Sonne geht in ihren nächsten Zyklus über, der mit starken koronalen Massenauswürfen einhergehen wird. Steuert ein solcher auf die Erde zu, könnte das ganze Stromnetz kollabieren.

Von Marco Maier

Wissenschaftler sind laut der „Financial Times“ besorgt über das nächste bedeutende „Weltraumwetter“-Ereignis, das im Zentrum des Sonnensystems beginnt – nämlich unserer Sonne. Unser Zentralgestirn geht nun auf ein solares Minimum zu, das 2019 erwartet wird, wenn die Sonne vom Sonnenzyklus 24 zum Sonnenzyklus 25 übergeht. Die Sonne durchläuft 11-Jahres-Zyklen, in denen die Sonnenaktivität zunimmt und abnimmt.

Die Beobachtung der Aktivität von Sonnenflecken geht auf den Beginn des ersten notierten Sonnenzyklus im Jahr 1755 zurück. Heute ist das einfache Skizzieren und Zählen von Sonnenfleckenzahlen einer landgestützten und weltraumgestützten Technologie gewichen, die die Sonne kontinuierlich überwacht.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass intensive Aktivität wie Sonnenflecken und Sonneneruptionen während eines solaren Minimums im Allgemeinen nachlassen. Dean Pesnell vom Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt, Maryland, sagte, dass während eines solaren Minimums die Sonne nicht weniger spektakulär wird. Er sagte, die Sonnenaktivität verändert sich einfach.

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Zum Beispiel warnte Pesnell: „Während eines solaren Minimums können wir die Entwicklung von langlebigen koronalen Löchern sehen.“ Koronale Löcher sind große Bereiche in der Sonnenatmosphäre, wo sich das Magnetfeld der Sonne öffnet und Ströme von solaren Teilchen, die als koronaler Massenauswurf (Coronal Mass Ejection, CME) bekannt sind, der Sonne als schnellem Sonnenwind entgehen.

Wenn das koronale Loch der Erde zugewandt ist, dann prallen elektrisch geladene Teilchen von der Sonne in das Magnetfeld der Erde ein und verursachen starke elektromagnetische Stürme um den Planeten herum. Die Auswirkungen dieser Teilchen auf die elektronische Infrastruktur, die der modernen industriellen Zivilisation zugrunde liegt, können verheerend sein, sagte die Financial Times. CMEs stören GPS, Satelliten und Astronauten im Weltraum. Selbst Flugbesatzungen und Fluggäste erhalten bei Sonnenstürmen eine deutlich höhere Strahlendosis, insbesondere bei Polar-überquerenden, trans-ozeanischen Flügen.

Und eine Wiederholung des bedeutendsten Sonnensturms der Geschichte, der Carrington Super-Flare von 1859, würde Billionen von Dollar an Schäden kosten, da Stromnetze, Kommunikationsnetzwerke und elektronische Geräte weltweit außer Gefecht gesetzt würden. Einige Wissenschaftler glauben, dass wenn die Erde einem schweren Weltraumwetterereignis ausgesetzt ist, dies die Zivilisation vorübergehend in den Rückwärtsgang versetzen könnte.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich 1989, als ein erdzugewandter CME den Planeten erschütterte und einen Spannungsstoß erzeugte, der das Stromnetz von Hydro-Quebec in Kanada zum Kollaps brachte und Millionen von Menschen ohne Strom zurückließ. „Während eines großen geomagnetischen Sturms im Jahr 2003 ging ein japanischer wissenschaftlicher Satellit verloren und 10 Prozent der weltweiten Satellitenflotte erlitten Fehlfunktionen“, sagte Professor Richard Horne vom British Antarctic Survey zur FT.

Ein kürzlich stattgefundenes Weltraumwetterereignis Ende April 2017 hat angeblich gleichzeitig die Stromnetze quer durch die USA außer Kraft gesetzt. San Francisco, New York und Los Angeles waren die drei wichtigsten betroffenen Gebiete. In jeder Region gab es Herausforderungen oder Stillstände in der Basisinfrastruktur wie Kommunikationsnetze und Massentransport. Ein unglückliches Zusammentreffen von widrigem Weltraum- und Erdwetter gab es im September 2017, als Weltraumstürme stundenlang Kurzwellenfunkgeräte störten.

„Die Sonne war in den letzten 10 Jahren sehr ruhig. Sie erinnert die Menschen daran, nicht selbstgefällig zu sein“, sagte Mike Hapgood, Leiter des Weltraumwetters im britischen Rutherford Appleton Laboratory.

Wissenschaftler sagten der Financial Times, dass Satelliten potentiell störende Aktivitäten durch die Sonne Tage vor einer möglichen Eruption überwachen können, was den Weg und die Auswirkungen einer tatsächlichen CME vorhersagt, doch das ist sehr schwierig. Wenn der CME zur Erde ausgerichtet ist, braucht sie etwa 24 Stunden bis zur Ankunft. Die Regierungen hätten nicht genügend Zeit für Vorbereitungen, um Schutzmaßnahmen für die Infrastruktur einzuleiten.

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6 thoughts on “Geomagnetische Stürme: Zerstört die Sonne unsere Stromnetze?”

  1. Ob es überhaupt zu so einfachen Schutzmaßnahmen wie Herunterfahren von Computern kommen wird, hängt davon ab, ob endlich von den Eliten verstanden wird, dass die Sicherheit vor Profit gehen muss. Auch auf Stromausfall sind viele Unternehmen ungenügend vorbereitet. Für viele SB- Markt- Kassen gibt es nicht einmal eine unterbrechungsfreie Stromversorgung(Akku), die mindestens ermöglicht, die Kunden noch zu bedienen, deren Waren auf dem Band sind. Da lässt für eine Sonneneruption nichts Gutes erwarten.

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