Bild: Flickr / Tax Credits CC-BY 2.0

Die Dollar-Dominanz auf den globalen Finanzmärkten sorgt wieder einmal dafür, dass einige Schwellenländer vor dem finanziellen und wirtschaftlichen Kollaps stehen. Da braut sich ein Sturm zusammen.

Von Marco Maier

Wenn wir einen Blick auf die aktuelle weltwirtschaftliche Lage und die Situation an den Devisenmärkten werfen, sehen wir eine sich zusammenbrauende Gewitterwolke auftürmen, die wie ein Taifun über einige der Schwellenländer rauschen und dort für massive volkswirtschaftliche Schäden sorgen wird. Mit ein Grund dafür ist die Dominanz des US-Dollars an den Finanzmärkten und das Fehlen von ausreichenden Refinanzierungsmöglichkeiten in den betreffenden Ländern selbst.

Das Ergebnis? Mit der Zinswende der Fed und wachsenden Risiken in den Schwellenländern (sowie der Kapitalflucht der Superreichen der einzelnen Staaten) geraten die jeweiligen Währungen massiv unter Druck. Damit werden jedoch die zuvor aufgenommenen Dollar-Kredite der Regierungen, Unternehmen, Finanzinstitute und Privathaushalte für diese zunehmend unbezahlbar. Der Vorteil der niedrigen Zinsen wird durch die Kursverluste der nationalen Währungen nicht nur vernichtet, sondern sogar ins Gegenteil verdreht.

Die Folge: Derzeit gelten die Türkei, Südafrika, Malaysia, Indien und Indonesien als „sehr verletzlich“, Mexiko, Chile, Brasilie, Kolumbien, Tschechien, Ungarn und Polen als „mittelmäßig verletzlich“, während Südkorea, die VR China, Thailand und Russland als „wenig verletzlich“ gelten. Das zeigt auch der „Verletzlichkeitsindex“ der französischen Großbank SocGen:

Dieser Verletzlichkeitsindex basiert auf mehreren Eckpunkten. Darunter zum Beispiel die Leistungsbilanz. Denn: ein hohes Leistungsbilanzdefizit benötigt ständigen Zufluss von ausländischem Kapital. Ganz schlecht stehen hier die Türkei, Südafrika, Kolumbien, Indonesien und Indien da. Thailand, Ungarn und Südkorea erzielen hingegen Überschüsse, was für sie hilfreich ist.

Hinzu kommt, dass die Türkei und Südafrika, sowie Indonesien und Indien stark von kurzfristigen Kapitalzuflüssen abhängig sind. Bei den kurzfristigen Auslandsschulden stehen die Türkei, Malaysia, Ungarn und Tschechien schlecht da, was deren Rating drückt.

Nicht besser sieht es bei den in ausländischen Währungen denominierten Schulden aus:

Wie man sieht, liegt die Auslandsverschuldung in der Türkei bei rund 70 Prozent, wobei (wie in Ungarn und noch mehr Chile) vor allem der Nicht-Finanzen-Unternehmenssektor betroffen ist, während in Polen auch die privaten Haushalte tief in der Fremdwährungskredit-Falle stecken. Auch das erhöht das Risiko eines Crashs massiv, wenn die nationalen Währungen noch weiter unter Druck geraten.

Hinzu kommt noch der Grad der Verschuldung und das Haushaltsdefizit. Hier sind vor allem Brasilien, Indien und Südafrika (drei BRICS-Länder) gefährdet, während beispielsweise Ungarn zwar eine recht hohe Staatsverschuldung aufweist, der nationale Haushalt jedoch nur ein geringes Defizit vorweist. Ein weiterer Aspekt ist der Auslandsbesitz von Staatsanleihen: Südafrika, Tschechien und Indien haben mehr als 40 Prozent ihrer Staatsanleihen ins Ausland verkauft. Straucheln diese Volkswirtschaften, setzt dies auch die Regierungen massiv unter Druck, weil sie ihre neuen Kreditlinien nur noch sehr teuer auf den Markt bringen können.

Und wenn man dann noch bedenkt, dass die Fremdwährungsreserven von Südafrika, der Türkei, Chile und Malaysia auf einem extrem niedrigen Level liegen, wird es gerade für diese Staaten extrem schwierig durchzuhalten. Und dann wird es sehr schnell kritisch. Das haben wir (auch) der globalen Dollar-Dominanz zu verdanken.

1 KOMMENTAR

  1. Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen, im Endeffekt – wenn wir in die Tiefe gehen – kommen wir immer wieder auf das Finanzsystem, das praktisch global auf Zinseszins-Grundsätzen und eine zentrale Steuerung/Verwaltung beruht.

    Es gibt ganz wichtige Komponenten (neben vielen weiteren), diese Staaten „entledigen“ sich ihrer eigenen und kommunalen Unternehmen, um kurzfristig an Finanzmittel zu kommen. Das bewirkt wiederum, dass sie für die Realisierung völlig normaler Tagesaufgaben entweder die Steuern erhöhen müssen oder Kredite aufnehmen.
    Wenn sie Kredite aufnehmen müssen sie später die Steuern erhöhen, um die Zinslasten zu tilgen. Der Teufelskreis ist also schon vorgezeichnet. Es gibt kein entrinnen, das ist einfach nicht möglich. Was es gibt, ist die Möglichkeit durch kluges, intelligentes Verhalten diesen vorgegeben Kollaps auf der Zeitachse etwas hinauszuschieben.

    Dazu gehört auch, dass die Unternehmen sich selbst erhalten bleiben und nicht nur äußere Hüllen einer pervertierten Spielweise des internationalen Finanzkapitals werden. Hier gibt es den identischen Kreislauf. Jede Kreditaufnahme – bei dem jetzigen Finanzsystem – ist ein Schritt in die Abhängigkeit und damit der strukturellen Selbstauflösung. Nach meinem Kenntnisstand haben wir in Deutschland kein Großunternehmen mehr das den ursprünglichen Definitionen genügt, auch VW nicht mehr.

    Bei Siemens erleben wir dieses langsame Sterben gerade sehr deutlich. Eine Sparte nach der anderen wird zerschlagen. Eine tatsächliche Konsolidierung ist aus Sicht des Finanzkapitals nicht erwünscht.

    Zu einem freien Handel gehören auch Kompensationsgeschäfte, die im Regelfall wirklich zum beiderseitigen Nutzen sind. Russland ist momentan der einzige Staat der derartige Geschäfte noch in nennenswerter Größenordnung realisiert.

    Eine Änderung kann nur mit einer Änderung des Finanzsystems erfolgen.

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