Bild: Flickr / Mehr Demokratie CC BY-SA 2.0

Wenn es um die Demokratie geht, hat man in Deutschland (und vielen anderen Ländern) ein höchst seltsames Verständnis davon. Es ist an der Zeit, neu zu denken.

Von Dr. Hans-Jürgen Klose

Der Begriff „Demokratie“ leitet sich vom griechischen Wort „Demos“ her – darum wird das alte Athen auch mit seiner Polis oft auch als Idealbild genannt. Vielleicht kommt es daher, dass Demokratien nicht so recht gelingen. „Demos“ war im alten Athen nie die allgemeine Bevölkerung. Die Athener sagten „Laos“ wenn sie ihr Volk meinten – der Demos waren all die, die nicht zum Volk dazu gehörten und darum auch nicht stimmberechtigt waren. Man traut es sich kaum zu sagen, aber „Demos“ bedeutet eigentlich „Abschaum“, hergeleitet vom Schaum auf der Milch, den man wegschüttete.

Auch die Gleichheit der Bürger war eine Gleichheit vor dem Gesetz. Wahlberechtigt waren in der Polis erwachsene, finanziell gut gestellte Männer.

So und nun nachdem das klar gestellt ist, kann man überlegen wie heute eine Demokratie gelingen könnte. Dass Deutschland nach 69 Jahren noch keine Verfassung hat, hat sicher weniger mit den Deutschen als mit den Siegermächten zu tun. Aber vielleicht ist die Zeit jetzt reif, über eine Verfassung nachzudenken. So wie es jetzt ist – wo sich jeder zu jedem Thema öffentlich äußert und dabei ernst genommen werden will, geht es jedenfalls nicht weiter.

Wenn ein Özdemir tagelang öffentlich darüber nachdenkt, ob er zum Erdogan-Bankett geht oder doch lieber zuhause bleibt und damit dem Treffen seine ganz persönliche etwas schwierige Note gibt, oder ob das Präsidium des Evangelischen Kirchentags beschließt AfD-Politiker zu boykottieren und vor der Presse darlegt, dass solche Untermenschen an Podien und Diskussionen dieser religiösen Gemeinschaft nicht teilnehmen dürfen – man weiß nicht wen man für dümmer halten soll – oder ist es in beiden Fällen nur Aufgeblasenheit? So etwas darf doch unsere Politik nicht belasten.

Die Kirchen werden bei uns toleriert und sollen froh sein, wenn ihre Schäfchen noch vereinzelt den weltfremden Predigten zuhören. Özdemir soll man sagen, dass Politik mit Herzblut geschrieben wird und nicht mit dem verdrehten Intellekt eines Sozialpädagogen der als Einzelkind groß geworden ist. Wen aus dem deutschen Volk will er denn vertreten? So einer will dem Deutschen Fußballbund im Fall Özil Feigheit vorwerfen?

In Preußen hat es einmal das „Suum cuique“ gegeben – jedem das Seine – aber nicht nur in Bezug auf die Besitzverhältnisse, sondern auch in Bezug auf das, worüber sich einer ein Urteil erlauben darf. Denn was zu einem Thema an die Öffentlichkeit gebracht wird, ist eben nicht gleich – und das kann sich unsere Presse ins Poesiealbum schreiben, denn Pressefreiheit erfordert ein Verantwortungsbewusstsein das man in den meisten Fällen bei uns vergeblich sucht.

1 KOMMENTAR

  1. „Das Deutschland nach 69 jahren immer noch keine Verfassung hat……………“ - hat sehr wohl (vorrangig) mit den Deutschen zu tun.

    Wenn die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung (aus Gleichgültigkeit, Unwissen, Feigheit oder wasauchimmer) nicht für sein Recht eintritt, sich stattdessen der Gewalt des Staates unterwirft, dann sind diese Menschen eher Untertanen als „Bürger“. Bürger ist ein stolzes Wort für jene, die sich ihrer Rechte bewußt sind UND auch dafür eintreten. In einer Demokratie machen alle die Regeln und wer mit etwas unzufrieden ist, kann, darf und soll das zeigen. Wenn es dann tatsächlich welche gibt, die diese Unzufriedenheit zeigen und in der Folge von ihren gewählten „Volksvertretern“ als Rechtsextreme bezeichnet werden, dann stimmt bereits einiges nicht mehr im „Staate“. P.S. Wieso wird hier im Zusammenhang mit Demokratie ein Öz…. genannt?

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