Europa hat eine höchst bewegte Geschichte. Staaten und Reiche kamen und gingen – und prägten dennoch die Zusammensetzung der Bevölkerung und die heutigen Grenzen. Ein sehr interessanter Überblick.

Von Marco Maier

Europas Geschichte ist geprägt vom Aufstieg und Niedergang großer Reiche und Imperien. Kleinen Ländern die ihre Unabhängigkeit zu behaupten versuchten und dies manchmal sogar erreichten. Viele Staaten kamen und gingen und erst in den letzten Jahren gab es erneut die Bildung neuer Staaten (z.B. Kosovo, Montenegro), bzw. der Verschiebung von Grenzen (die Rückkehr der Krim von der Ukraine zu Russland).

Das Video oben zeigt die Entstehung der heutigen Staaten aus den historischen Veränderungen auf, die sich durch Völkerwanderungen, Kriege, Eroberungsfeldzüge und Bündnisse ergaben. Nachfolgend einige der historischen Höhepunkte, die man als Eckdaten kennen sollte:

146 v. Chr. – Ein Jahr der Eroberung

146 v. Chr. war ein Jahr der Eroberung und Expansion für die Römische Republik. Nach dem Fall Karthagos übernahmen die Römer die Kontrolle über das Territorium Nordafrikas, und die Plünderung und Zerstörung des griechischen Stadtstaates Korinth führte zu einer Ära römischen Einflusses in dieser Region. Diese entscheidenden Siege ebneten den Weg für die spätere Herrschaft des Römischen Reiches über das Mittelmeer.

117 n. Chr. – Höhepunkt des Römischen Reiches

Der Höhepunkt des Römischen Reiches ist einer der dramatischsten Momente in der europäischen Geschichte. Auf seiner Höhe, unter Trajan, war das Römische Reich ein kolossales 4,4 Millionen Quadratkilometer umfassendes Imperium (eine Meisterleistung in einer Ära ohne motorisierte Fahrzeuge und moderne Kommunikationsmittel). Dieses riesige Reich blieb größtenteils bis 395 n.Chr. intakt, als es irreparabel in das West- und Oströmische Reich geteilt wurde.

370 n. Chr. – Die Ankunft der Hunnen

Bedingt durch die schweren Dürren in Zentralasien marschierten die Hunnen nach Europa und fanden ein durch Währungsdepressionen, wirtschaftliche Instabilität, Überausgaben und zunehmende Einfälle von Rivalen an seinen Grenzen geschwächtes Römisches Reich vor. Die Hunnen führten 395 ihren ersten Angriff auf das Oströmische Reich durch, aber erst ein halbes Jahrhundert später – unter der Führung von Attila – drangen die Reiterhorden tiefer nach Europa ein und plünderten und zerstörten Städte und dörfer auf ihrem Weg. Die Römer erhielten später ihre Rache, als sie die miteinander kämpfenden Goten und Hunnen angriffen und das nomadische Reitervolk aus dem zentralen Europa vertrieben. Die Geschichte der Hunneninvasion findet sich übrigens auch in der Nibelungensaga, welche man in weiten Teilen auch im nordischen Götter- und Heldenepos der „Edda“ nachlesen kann.

1241 – Die Mongoleninvasion

In der Mitte des 13. Jahrhunderts brüllte die „Goldene Horde“ unter der Führung von Dschingis Khan in Russland und Osteuropa und zerstörte die Städte entlang ihres Weges. Angesichts der Invasion mächtiger mongolischer Streitkräfte stellten die mitteleuropäischen Fürsten vorübergehend ihre regionalen Konflikte zur Verteidigung ihres Territoriums zur Seite. Obwohl die Mongolen langsam nach Osten getrieben wurden, tauchten sie bis fast zum 16. Jahrhundert immer wieder an den Rändern Europas auf.

1362 – Litauen

Heute ist Litauen eines der kleinsten Länder Europas, aber in seiner Blütezeit im Mittelalter war es einer der größten Staaten des Kontinents. Ein entscheidender Moment für Litauen war der entscheidende Sieg in der „Schlacht am Blauen Wasser“, als das Großfürstentum von Kiew schlussendlich erobert wurde, nachdem dieses zuvor schon tributpflichtig wurde. Dieser Sieg erstickte die Expansion der Goldenen Horde und brachte die heutige Ukraine in den litauischen Einflussbereich.

1648 – Kleinstaaterei

Das Ende des Heiligen Römischen Reiches weist auf die extreme territoriale Zersplitterung in Deutschland und angrenzenden Regionen hin, in einer Zeit, die als Kleinstaaterei bezeichnet wird. Selbst als zusammenhängende Nationalstaaten um das zersplitterte Reich herum entstanden, wuchsen das Heilige Römische Reich und seine Reste nicht zusammen, bis Deutschland 1871 als Nationalstaat aus den Trümmern des Deutsch-Französischen Krieges emporstieg. Die Vereinigung trug dazu bei, Deutschland als Großmacht zu positionieren, und um 1900 hatte das Land die größte Wirtschaft in Europa.

1919 – Das Osmanische Reich

Das Osmanische Reich – seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil Osteuropas – befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den schwindenden Jahren. Das Imperium hatte Territorium in zwei kostspieligen Kriegen mit Italien und Balkanstaaten abgetreten, und als sich der Staub im Ersten Weltkrieg auflöste, begannen die Grenzen der neugebildeten Nation der Türkei am äußersten Rand Kontinentaleuropas. Auf dem Balkan und im südwesten Europas bildeten sich neue Nationalstaaten aus den Trümmern des Osmanischen Reiches hervor.

1942 – Expansion des Deutschen Reiches und der Achsenmächte

Auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs kontrollierten die Achsenmächte Deutschland und Italien einen großen Teil Kontinentaleuropas. Nach dem Krieg wurde Deutschland jedoch wieder in Besatzungszonen zersplittert – diesmal unter der Aufsicht der Vereinigten Staaten, Frankreichs, Großbritanniens und der Sowjetunion. Erst 1989, als eine schwächelnde Sowjetunion ihren Griff in Ostdeutschland lockerte, konnten die beiden getrennten Gebiete wieder zusammengeführt werden.

1991 – Zerfall der Sowjetunion und des Ostblocks

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Europas geopolitische Grenzen relativ stabil – bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991. Fast über Nacht zersplitterte die gesamte Westgrenze des Landes in unabhängige Nationen. Als sich der Staub gelegt hatte, gab es 15 abtrünnige Republiken, von denen sich sechs in Europa befanden. In weiterer Folge trennten sich auch Tschechien und die Slowakei voneinander und später erfolgte die Zersplitterung des Vielvölkerstaats Jugoslawien, die noch bis in die jüngste Zeit (Montenegro und Kosovo) weiterging.

Angesichts dieser langen, wechselhaften Geschichte Europas sollte man die heutigen Grenzen ebenfalls nicht als „immerwährend“ ansehen, sondern davon ausgehen, dass es auch in den kommenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wohl zu noch weiteren Veränderungen kommen wird. Ob nun die „Europäische Einigung“ oder aber auch infolge der starken Migration von außerhalb – die aktuellen Grenzziehungen sind nicht in Stein gemeißelt.

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