Studie: Die Luftverschmutzung macht uns dumm

Laut einer neuen Studie lässt eine starke Luftverschmutzung die Menschen verdummen. Sie hat nicht nur auf die Gesundheit einen negativen Einfluss, sondern auch auf unser Gehirn.

Von Marco Maier

Eine neue Studie, die in China durchgeführt wurde, wo teilweise eine extreme Luftverschmutzung vorherrscht die teils sogar drei Mal über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt, stellt eine Verbindung zwischen verpesteter Luft und Intelligenz her, wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet. Und wenn man davon ausgeht, dass 95 Prozent der Weltbevölkerung „unsichere Luft“ atmen, wie es in einem Bericht heißt, geht uns das alle an.

Diese Studie arbeitete sich tief vor und stellte fest, dass hohe Verschmutzungsgrade zu einem deutlichen Rückgang der Testergebnisse in Sprache und Arithmetik führten, wobei die durchschnittliche Wirkung einem Bildungsverlust von einem Jahr entsprach und der Effekt bei einigen der am stärksten gefährdeten Personen in unserer Gesellschaft viel schlimmer ist: die Alten.

„Verschmutzte Luft kann dazu führen, dass jeder sein Bildungsniveau um ein Jahr reduziert, was enorm ist“, sagte Xi Chen von der Yale School of Public Health in den Vereinigten Staaten. Chen ist auch ein Mitglied des Forschungsteams. „Aber wir wissen, dass der Effekt für ältere Menschen schlimmer ist, besonders für die über 64-Jährigen, für Männer und für diejenigen mit niedriger Bildung. Wenn wir [den Verlust] für diese berechnen, können es ein paar Jahre Bildung sein.“

The Guardian berichtet über frühere Forschungen die herausgefunden haben, dass die Luftverschmutzung kognitive Leistungen bei Schülern schädigt, aber dies ist die erste Studie, die Menschen aller Altersgruppen und die unterschiedlichen Auswirkungen zwischen Männern und Frauen untersucht hat. Der Schaden, der in der menschlichen Intelligenz angerichtet wurde, sei für die über 64-Jährigen am schlimmsten, mit schwerwiegenden Folgen, sagte Chen. „Wir treffen normalerweise die kritischsten finanziellen Entscheidungen im Alter“, fügte Chen hinzu. Rebecca Daniels von der britischen Gesundheitsorganisation Medact sagte: „Die Ergebnisse dieses Berichts sind äußerst besorgniserregend.“

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Eine kürzlich durchgeführte Studie fand heraus, dass giftige Luft bei Menschen mit psychischen Störungen mit „extrem hoher Sterblichkeit“ verbunden war und frühere Arbeiten verbanden dies mit erhöhten psychischen Erkrankungen bei Kindern. Eine andere Analyse ergab, dass Menschen in der Nähe von stark befahrenen Straßen ein erhöhtes Risiko für Demenz hatten.

Die neue Arbeit, die in der Zeitschrift Proceedings der National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, analysierte Sprach- und Arithmetiktests, die im Rahmen der China Family Panel Studies an 20.000 Menschen im ganzen Land zwischen 2010 und 2014 durchgeführt wurden. Die Wissenschaftler verglichen die Testergebnisse mit Aufzeichnungen von Stickstoffdioxid- und Schwefeldioxid-Verschmutzung.

Sie fanden heraus, je länger die Menschen der schmutzigen Luft ausgesetzt waren, desto größer war der Schaden für die Intelligenz, denn die Sprachfähigkeit wurde mehr geschädigt als mathematische Fähigkeiten und Männer wurden mehr geschädigt als Frauen. Die Forscher sagen, dass dies aus Unterschieden in der Funktionsweise von männlichen und weiblichen Gehirnen resultieren kann.

„Dies liegt daran, dass hohe Luftverschmutzung möglicherweise mit oxidativem Stress, Neuroinflammation und Neurodegeneration von Menschen in Verbindung gebracht werden kann“, sagte Derrick Ho von der Hong Kong Polytechnic University. Hos Forscherteam entdeckte ähnliche vorläufige Ergebnisse bei der Untersuchung von Luftverschmutzung und Kognition.

Die Reinhaltung der Luft ist also offensichtlich nicht nur eine Frage der allgemeinen menschlichen Gesundheit, sondern auch eine der menschlichen Intelligenz. Kann es sein, dass der Rückgang beim durchschnittlichen Intelligenzquotienten, wie er seit den 1970ern in den westlichen Industriestaaten festgestellt wird, auch mit der Luftverschmutzung in Zusammenhang steht?

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2 Kommentare

  1. „Unsichere Luft“ – klingt nicht so beunruhigend wie z.B. schadstoffhaltige Luft. Herrlich, diese Worthülsen.
    Seit Jahrzehnten ist bekannt, das sich z.B. polyzyklischen aromatische Kohlenwasserstoffe negativ auf den menschlichen Organismus auswirken. Die bei Verbrennung von fossiler Brennstoffe, Zigarettenrauch und auf Holzkohle gegrillter Nahrung entstehenden PAK (polyzyklischen aromatischen kohlenwasserstoffe) wirken sich negativ auf Gehirnstruktur (insbesondere beim jungen Menschen) und G.funktion aus. Selbst bei nur geringer Belastung der Atemluft mit PAK (unterhalb gegebener Grenzwerte) war die kognitive Leistungsfähigkeit bei Schulkindern nachweislich eingeschränkt, zudem ließen sich Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder feststellen, wie EU-Studien bewiesen. Heute, in 2018, ist unsere Luft noch „unsicherer“ geworden, jedoch gehaltvoller. Da finden wir zu den bereits vielfach diskutierten Feinstäuben die lungengängigen Feinststäube, welche nur allzu selten in Studien Erwähnung finden. Stoffe wie Barium und Aluminium, Partikelgröße im Nanobereich. Als „Verschwörungstheoretiker finde ich es nicht überraschend, das viele dieser Luftschadstoffe neurotoxisch sind, gewisse Einschränkungen auf Hirnfunktionen auslösen werden und ausgelöst haben. Erklärungen für den desolaten Zustand der menschlichen Gesellschaft lassen sich so leichter finden.

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