Stationiert Russland taktische Atomwaffen in Syrien?

In der russischen Staatsduma wird der Ruf nach einer Stationierung von taktischen Atomwaffen in Syrien laut, nachdem John Bolton neue Drohungen gegen Assad aussprach.

Von Marco Maier

Erst vor wenigen Tagen drohte der Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, den syrischen Präsidenten und Russland damit, dass Washington mit einer „größeren Militärmacht“ und militärischen Maßnahmen antworten würde, sollte das syrische Militär bei der Eroberung von Idlib chemische Waffen einsetzen. Eine Drohung, die den islamistischen Milizen vor Ort geradezu eine Einladung darstellt, wie schon früher auch mit Chlorgas oder Sarin Menschen zu vergiften um dies dann Assad in die Schuhe zu schieben. Russland warnte daraufhin vor einer inszenierten „chemischen Provokation“.

Nun forderte ein leitender russischer Abgeordneter der Staatsduma, Wladimir Gutenew, laut der Nachrichtenagentur Tass die Regierung dazu auf, eigene „Rote Linien“ aufzuzeichnen und schlug vor, taktische nukleare Waffen in Syrien zu stationieren und gegebenenfalls sogar auch gegen die feindlichen Kräfte einzusetzen. Dies müsse man auch als Antwort auf die US-Sanktionen gegen Russland sehen.

„Ich glaube, dass Russland jetzt seine eigenen roten Linien ziehen muss.“ Es ist an der Zeit, über Varianten der asymmetrischen Reaktion auf die USA nachzudenken, die jetzt von Experten vorgeschlagen werden und nicht nur ihre Sanktionen, sondern auch einen gewissen Vergeltungsschaden“, sagte Wladimir GuteneW, der erste stellvertretende Leiter des Ausschusses für Wirtschaftspolitik der Staatsduma, der unteren Kammer des russischen Parlaments.

Der Politiker erinnerte daran, dass die USA selbst ihre Atomwaffen in ihren Militärbasen in verschiedenen Ländern der Welt stationiert haben und forderte dazu auf, dass Russland als asymmetrische Antwort auf die Feindseligkeiten Washingtons diesem Beispiel folgen sollte und seinerseits taktische Nuklearwaffen in verbündeten Ländern – darunter eben auch Syrien – stationieren solle.

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4 Kommentare

  1. FUD. Warum um alles in der Welt sollte die russische Armeeführung sowas tun?

    1) Wäre man damit um keinen Deut besser als die Amis, die ihre Massenvernichtungswaffen nonchalant auf fremden Staatsgebiet bunkern und dieses somit zu einem legitimen Erstschlagsziel machen.
    2) Würde man damit den Amis und ihren NATO-Schoßhündchen jeden Vorwand geben, die Eskalationsspirale weiter anzukurbeln.
    3) Wäre der Einsatz taktischer Nuklearwaffen wirklich notwendig, befinden wir uns schon mitten im 3.Weltkrieg, und dann fliegen ohnehin die großen Eier durch die Gegend.
    4) Mal ganz abgesehen davon… man muss Waffen nicht vor Ort bunkern. Kalibr und Iskander können auch von weiter entfernten Standorten aus eingesetzt werden. Und gegen Trägergruppen gibt es den Schkwal-Torpedo, der ohnehin von U-Booten aus gestartet wird.

  2. Punkt 4 ist falsch und strategisch unsachlich. Eine Rakete vor der Haustür ist schwer abzufangen, im Gegensatz zu einer Langstreckenrakete die eine ganze Zeit im Luftraum fliegt und damit länger sichtbar ist. Deshalb auch die Atomraketen in Syrien, eine ganz normale Antwort auf Amerikas Wahnsinn. Oder sollen die Russen aus lauter Gutmenschlichkeit mit Torten werfen? Dann hätten sie den 2.Weltkrieg auch nicht gewonnen. Wobei der Mainstream heute noch in verblödeter Art und Weise vom amerikanischen Sieger phantasiert. Der Ami kam schon immer erst, wenn der größte Dreck vorbei war.

    1. Ja, du hättest damit sicher recht, wenn Punkt 1-3 nicht wäre. Die Stationierung von Atomwaffen in Syrien wäre für die NATO-Kriegstreiber der Casus Belli schlechthin, Israel würde auszucken vor Panik, und wie die Türkei darauf reagiert, möchte ich mir nicht ausrechnen.

      Mal ganz zu schweigen von der syrischen Bevölkerung, die sich wohl auch nicht gerade darüber freuen wird, legitimes Ziel eines Nuklearschlages zu werden. Nö, die Stationierung von Nuklearwaffen wäre geopolitisch ein gewaltiger Fehler. Und Geopolitik steht immer noch über strategischen Überlegungen, solange man nicht offen im Krieg ist.

  3. Nun ist in dem Artikel mehrfach von taktischen Atomwaffen die Rede, also für den Nahbereich, für das unmittelbare, mögliche Gefechtsfeld.

    Nun grenzt unmittelbar an Syrien ein Staat, der im Besitz von Atomwaffen ist und nicht dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten ist. Dieser Staat hat auch Gebiete von Syrien annektiert und greift immer wieder kriegerisch Ziele in Syrien an.

    Da nun eindeutig durch mehre Staaten erneute Kriegsvorbereitungen gegen Syrien laufen und Russland durch seine legitimen Standorte in Syrien auch Eigeninteressen wahrnehmen muss, ist das Aufzeigen einer klaren roten Linie, voll im Interesse einer Deeskalation.

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