Politisches Totalversagen: Griechenland ist nicht gerettet

Der frühere griechische Finanzminister sieht die Lage Griechenlands düster und feuert scharf gegen Merkel. Auch Experten warnen vor einem Kollaps des Landes. Die europäischen Politiker haben mit ihren „Rettungsplänen“ völlig versagt.

Von Marco Maier

Jedem Menschen mit etwas gesundem Menschenverstand war von Anfang an klar, dass die sogenannte „Griechenland-Rettung“ eigentlich nur eine Rettung der Banken, Versicherungen und Hedge-Fonds auf Kosten der europäischen Steuerzahler war. Wir haben darauf bereits in mehreren Artikeln während der letzten Jahre immer wieder darauf hingewiesen und aufgezeigt, dass die etablierte Politik von Schäuble und Merkel bis hin zu EZB-Chef Draghi die Menschen jahrelang nur verarscht haben, um die eigenen Hintern zu retten.

Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis sagte nun zur Bild: „Griechenland steht am selben Punkt, im gleichen schwarzen Loch und es versinkt jeden Tag tiefer darin. Auch, weil die Sparvorgaben der Gläubiger Investitionen und den Konsum behindern.“ Die Staatsschulden, seien nicht weniger, sondern mehr geworden: „Wir haben jetzt nur mehr Zeit, um noch mehr Schulden zurückzuzahlen. Trotz zweier Schuldenschnitte in Milliardenhöhe sind die Schulden gewachsen! Der Staat ist noch immer pleite, die privaten Leute sind ärmer geworden, Firmen gehen noch immer bankrott, unser Bruttosozialprodukt ist um 25 Prozent gesunken.“

Aber das ist noch nicht alles. Er feuert scharf gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Ich traue ihr auch sonst nicht.“ Sie habe Regierungschef Tsipras gebeten, ihn, Varoufakis, rauszuwerfen. „Er hat abgelehnt. Später, als es die heftigen Kämpfe zwischen mir und Wolfgang Schäuble gab, so Tsipras zu mir, habe Merkel ihm sinngemäß gesagt: Bloß gut, dass Du den nicht gefeuert hast, lassen wir Schäuble und Varoufakis kämpfen, wir beide finden dann in Ruhe eine Lösung.“ Und weiter: „Sie hat also nicht nur mich hintertrieben – sie tat das mit ihrem eigenen Finanzminister, der gegen seine eigene Überzeugung im Bundestag für das dritte Rettungspaket kämpfte.“

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Aber auch diverse Ökonomen sehen die finanzielle Lage Griechenlands äußerst kritisch. „Der Weg zur Wiederherstellung der Kreditfähigkeit ist noch weit. Ob Griechenland dauerhaft ohne Finanzhilfe auskommen wird, ist zweifelhaft“, heißt es in einer Studie des Freiburger Centrums für Europäische Politik (cep), die am Montag vorgestellt wird. Seit sieben Jahren würde der Kapitalstock sinken, die Importe die Exporte übersteigen und kaum Investitionen getätigt. Das Land konsumiert 107 Prozent des verfügbaren Einkommens und lebt damit im 13. Jahr in Folge über seine Verhältnisse. Zum Vergleich: Die deutsche Konsumquote betrug vergangenes Jahr 88 Prozent, die der EU 93 Prozent“, so der cep-Bericht laut den Funke-Zeitungen.

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Wie man es auch dreht und wendet: Die Griechenland-Krise ist noch lange nicht ausgestanden, weil man es von Anfang an versäumte, nachhaltig sinnvolle Schritte zu setzen. Und wenn man eben einen Staatsbankrott zugelassen hätte, wäre zwar viel Geld „vernichtet“ worden, aber zusammen mit umfangreichen Strukturreformen im Land hätten die Hellenen zumindest die Chance auf einen Neuanfang gehabt. Nun wird es für die europäischen Steuerzahler nur noch teurer und teurer, weil man aus politischen Gründen eine Insolvenzverschleppung betrieb.

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2 Kommentare

  1. Naja, wenigstens haben wir den Erzfeind der Griechen, die Türkei, schon fast ruiniert. Und wenn die endlich aus der NATO sind, kann das Großkapital die Ägäischen Erdölfelder ausbeuten, die dann von der EU Armee bewacht und beschützt werden müssen.

  2. Weniger arbeiten, mehr revoltieren! Zumindest die Filialen der US-Großbanken und die 4 „Wirtschaftsprüfer“ (KPMG, PWC, Deloitte, EY), die alle großen deutschen Unternehmen ausschnüffeln und tyrannisieren, gehören vom Volk massenhaft besucht, um die Möbel auf die Straße zu stellen. Die Griechen sind noch schlimmer als die Deutschen gebeutelt und ausgebeutet, schreiten als am besten mit dem Revoltieren voran. Im vielschichtigen Krieg gegen die Verwestpestung werden nun ja wohl auch die Türken hier wie daheim auf deutscher und griechischer Seite mitkämpfen.

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