Nicht nur Russland verkauft Unmengen an US-Staatsanleihen, auch die Türkei schließt sich dem an. Nun fragt man sich: Wann folgen China und andere Länder, die von Washington nur noch schikaniert werden?

Von Marco Maier

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben zwei Möglichkeiten, ihr exorbitant hohes Haushaltsdefizit zu finanzieren: Entweder werden sie auf den Finanzmärkten (da auch von anderen Notenbanken als Devisenreserven) aufgekauft, oder die Fed kauft sie auf – also eine Finanzierung durch die Druckerpresse. Doch angesichts dessen, dass sich Washington momentan immer mehr Feinde auf der Welt macht, wird es an den Finanzmärkten eng.

Russlands Notenbank hat bereits den Anfang gemacht und in den letzten Monaten eine ordentliche Ladung an US-Staatsanleihen verkauft. China, welches selbst Ziel des US-Handelskrieges ist, hält sich (noch) zurück, zumal die umfangreicheren russischen Verkäufe als Test dafür gelten, wie die Märkte auf solche Massenverkäufe reagieren. Nun aber folgt ein Land dem russischen Beispiel, welches eigentlich (noch) als Alliierter der USA gilt: Der NATO-Staat Türkei. Auch in Ankara setzt man nun auf eine „Diversifizierung“ der Währungsreserven, zusätzlich sorgen die Verkäufe auch für eine Stabilisierung der angeschlagenen Türkischen Lira.

Nach Angaben des US-Finanzministeriums sind die Bestände der Türkei an Schuldverschreibungen und Bargeld seit Ende 2017 um 52 Prozent gefallen und fielen im Juni von 32,6 Milliarden US-Dollar im Mai auf 28,8 Milliarden US-Dollar. Noch im November 2016 wurde mit 61,2 Milliarden US-Dollar ein Höchststand erreicht. Mit den umfangreichen Verkäufen ist die Türkei auch kein „großer Halter“ von US-Staatsanleihen mehr, zumal die Grenze dafür bei 30 Milliarden US-Dollar liegt. Die nachfolgende Grafik zeigt den Wert der US-Staatsanleihen, die von der türkischen Zentralbank gehalten werden:

Langsam aber sicher baut sich eine Anti-US-Achse auf, an der auch langjährige Alliierte und Partner der Vereinigten Staaten teilnehmen. Angesichts der ganzen Verkäufe von US-Staatsanleihen durch Russland und die Türkei fragt man sich, wann und unter welchen Voraussetzungen werden China und andere Staaten am Abverkauf der US-Staatspapiere teilnehmen und so Washington und die Fed noch stärker unter Druck setzen?

Übrigens: Russland und die Türkei wollen künftig ihren bilateralen Handel nicht mehr auf Dollarbasis, sondern in Rubel und Lira abwickeln, wie der Sprecher des Kremls, Dmitry Peskow mitteilte. „Die Frage der Verwendung nationaler Währungen in bilateralen Handelsgeschäften ist ein Thema, das von der russischen Seite seit langem und auf verschiedenen Ebenen, auch auf höchster Ebene, angesprochen wurde“, sagte Peskov und fügte hinzu: „Das ist es, was wir anstreben für unsere bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, und das, was bei den bilateralen russisch-türkischen Gesprächen immer wieder erwähnt wurde.“

2 KOMMENTARE

  1. Das würde ich jetzt nicht überbewerten. Die Russen haben sowieso nicht so viele Treasuries und die Türken sind wegen der prekären Situation ihrer eigenen Währung zu solchen Schritten gezwungen. Erst wenn China seine US-Papiere im großen Umfang auf den Markr wirft, dann wird es kritisch.

  2. Erst einmal springt Dummland ein und kauft Schrottanleihen der USA auf. Wir haben gar keine Wahl, sind schließlich nicht souverän. Das wird natürlich nicht reichen, um die Ausfälle zu kompensieren, aber so kann wenigstens noch mehr deutsches Steuergeld sinnlos ins Ausland verschleudert werden.

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