Ausländische Halter verkaufen Unmengen an italienischen Staatsanleihen und Anlagen im Privatsektor. Das kann Italien zusammenbrechen lassen.

Von Marco Maier

Italiens Staatsfinanzen geraten wieder in den internationalen Fokus. Die Renditen für die Staatsanleihen verzeichnen ein Rekord-Plus und die italienischen Banken kaufen rekordverdächtige Mengen an Bonds auf. Der Zufluss ist sogar höher als jener während der europäischen Staatsschuldenkrise im Jahr 2012.

Besonders interessant: Während die italienischen Banken – mit der Rückendeckung der EZB – immer mehr Anleihen ihrer Regierung kaufen, um so einen Marktcrash zu verhindern, stoßen die ausländischen Inhaber der Schuldtitel zunehmend ab. Im Juni (das sind die neuesten verfügbaren Zahlen) waren dies netto sogar 38 Milliarden Euro, nach 34 Milliarden Euro im Mai.

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Inzwischen erreichen die Bond-Käufe durch die italienischen Banken wieder ein Niveau, wie es während der europäischen Staatsschuldenkrise der Fall war. Und: Alleine im Mai und im Juni flossen mit 76 Milliarden Euro mehr Gelder ab als im Juni und Juli 2011 mit 51 Milliarden Euro bzw. im Februar und März 2012 mit 56 Milliarden Euro.

Wenn das so weitergeht – was aufgrund der aktuellen politischen Lage durchaus der Fall sein kann – wird es für die Italiener äußerst übel. Immerhin hat Italien trotz einer kleineren Volkswirtschaft in absoluten Zahlen deutlich mehr Schulden als Deutschland und ein weiterhin anhaltend hohes Haushaltsdefizit, neben kaum Wirtschaftswachstum und einer hohen Arbeitslosenrate.

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4 KOMMENTARE

  1. Was folgt daraus? Wenn italienische Banken zunehmend die Staatsschulden Italiens bei sich einbuchen, während nicht-italienische Banken diese abstoßen, steht Italien wohl knapp vor einem Euro-Ausstieg.

  2. Vor 2600 Jahren haben die Griechen erkannt: Ohne Schuldenstreichung keine Demokratie. Gesetzgeber Solon strich die Schulden. Rückzahlung war überflüssig geworden, die Bauern und Bürger waren wieder flüssig, die adligen Gläubiger hatten das Nachsehen, verhungerten aber nicht. Wie in der Weimarer Republik oder im heutigen Italien und Griechenland zwar wählen zu können, aber einige Tage pro Woche sklavisch arbeiten zu müssen, nur um Regierungs- und Betriebs-Schulden und Zinsen zu bezahlen, das ist keine Freiheit und keine Volksherrschaft. (Von privaten Schulden noch ganz abgesehen.)

    In der hebräischen Mythologie gibt es eine Entsprechung: das Joveljahr (Widderjahr, Jahr des Neuanfanges): Alle 7 mal 7 Jahre (zweimal pro Jahrhundert) sollen die Grundbücher gelöscht und der Boden neu und gleichmäßig verteilt werden, um die Tendenz zur Herrschaft weniger Reicher zu beenden.

    Wenn heutzutage die Griechen, Italiener und Deutschen sogar Schulden zahlen, die nicht sie selber, sondern irgendwelche Bürokraten, Volksverzertreter oder Manager und Aufsichtsverräterräte gemacht haben, dann liegen kollektive Verdummung, Sadomasochismus und Rückschritt vor. Bildung erweist sich als Verbildung, massenmediale Information als Umerziehung von Bürgern zu Knechten.

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