Während man den Deutschen selbst weitestgehend eine Doppelstaatsbürgerschaft verweigert, behält die Mehrheit der Eingebürgerten in Deutschland ihre alte Staatsbürgerschaft bei.

Von Michael Steiner

Für Deutsche ist der Erwerb einer weiteren Staatsbürgerschaft (sofern nicht in der EU oder der Schweiz) nur sehr schwer zu erreichen, während man den Zuwanderern seit dem Jahr 2000 infolge gesetzlicher Änderungen durch die rot-grüne Bundesregierung den Erwerb einer Doppelstaatsbürgerschaft ermöglichte. Das führt inzwischen dazu, dass immer mehr Zuwanderer bei Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit ihren alten Pass behalten dürfen.

61,4 Prozent der im Jahr 2017 eingebürgerten Ausländer (68.918 von 112.211 Personen) blieben weiterhin Bürger ihrer Herkunftsstaaten, berichtet die "Welt" unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Noch nie war der Anteil der Eingebürgerten mit Beibehaltung der alten Staatsangehörigkeit so hoch. Er steigt seit 2013 jährlich an. Das liegt zum einen an den Ausnahmeregeln für EU-Bürger. 99 Prozent der fast 39.000 Eingebürgerten aus Staaten der Europäischen Union behielten ihren alten Pass.

Zum anderen spielen Herkunftsländer von Asylanten eine wachsende Rolle bei den Einbürgerungen. Viele dieser Nationalitäten behalten zu 100 Prozent ihre alte Staatsangehörigkeit. Von den 2017 eingebürgerten Iranern (2.689, diese können ihre Staatsbürgerschaft allerdings auch nicht abgeben), Syrern (2.479), Afghanen (2.400), Marokkanern (2.390), Tunesien (1.125), Algeriern (462), Libanesen (1.294) und Nigerianern (954) legte dem Statistischen Bundesamt zufolge kein einziger seinen alten Pass ab. Bei den meisten anderen wichtigen Herkunftsländern von Asylanten sind die Quoten ebenfalls hoch, wie etwa beim Irak (87,8 Prozent von 3.480 Eingebürgerten).

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