Jeder weiß, dass die USA im Iran einen Regime-Change durchführen wollen. Die Politik Washingtons und Trumps Twitter-Meldungen sorgen dafür, dass die Spannungen wachsen.

Von Marco Maier

Erst die (unter israelischen Druck erfolgte) Aufkündigung des Atomdeals durch die USA, dann die erneute Verhängung von Sanktionen, gefolgt von Aufrufen an die Verbündeten kein iranisches Öl mehr zu kaufen und dann andauernde Vorwürfe, Teheran würde Terrorgruppen finanzieren, obwohl sich gerade die USA (und deren arabischen Verbündeten am Golf diesbezüglich nicht gerade mit Ruhm bekleckerten. Es vergeht faktisch kaum eine Woche, in der Washington nicht irgendwie gegen Teheran feuert.

Doch die Iraner schießen (verbal) zurück. Erst drohte Präsident Rohani, den Persischen Golf quasi unpassierbar zu machen und so die Ölexporte der Golfaraber massiv zu stören, dann teilte der iranische Außenminister mit, dass die Perser in ihrer viele Tausend Jahre alten Geschichte schon mehrere Imperien kommen und gehen gesehen hätten und die Vereinigten Staaten damit quasi nicht das erste und letzte dieser Imperien sei, welches wieder im Orkus der Geschichte verschwindet, während der Iran (bzw. Persien) nach wie vor existieren wird. Inzwischen wird aufgrund des virtuellen Schlagabtausches schon von den "Tweets of Mass Destruction" gesprochen.

Die Rhetorik wird immer martialischer – und zwar auf beiden Seiten. Klar, der Iran agiert expansiv und versucht seinen Einfluss auszudehnen – aber das vor allem deshalb, weil er sich immer stärker eingekreist und von den radikalen arabischen Sunniten bedroht fühlt. Im stark fraktionierten Nahen Osten ist jedoch schon eine kleine Machtverschiebung quasi eine Kriegserklärung an die negativ betroffenen Regionalmächte.

In diesem bellikosen Klima ist es allerdings nicht mehr weit zu einem tatsächlichen militärischen Konflikt, der sich jedoch zu einem Flächenbrand ausbreiten würde, dessen Flammen weit über den Nahen Osten und Zentralasien hinausschlagen und sogar die Welt in Brand setzen könnte. Es ist nämlich nicht anzunehmen, dass die Großmächte Russland und China tatenlos zusehen, wenn es dort zu einem Krieg kommt.

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