Schwellenländer: Es wird kritisch

Der Abzug von Dollars aus den Schwellenländern zurück in die USA bringt diese in arge Bedrängnis. Die Währungsreserven schmelzen dahin und die Wechselkurse explodieren.

Von Marco Maier

Die zweite Jahreshälfte 2018 wird ziemlich sicher von massiven Turbulenzen in den Schwellen- und Entwicklungsländern geprägt sein. Während die Fed die Zinsen anhebt und der Dollar an Stärke gewinnt, fließt immer mehr Anleger- und Spekulationskapital aus diesen Staaten ab und in die USA zurück. Schon in den letzten Wochen kamen beispielsweise Argentinien und die Türkei deshalb in arge Bedrängnis. Andere Länder folgen.

Das Ergebnis dieser Entwicklung sind stark steigende Staatsschulden, sich in Luft auflösende Währungsreserven, explodierende Inflationsraten, Börsencrashs und unzählige Konkurse in diesen Ländern. Ein Umstand, der auch daraus resultiert, dass die Dominanz des US-Dollars im internationalen Handel derzeit noch unangefochten ist und die Etablierung anderer Handelswährungen und bilateraler Abkommen ohne Dollar-Basis erst langsam beginnt.

Allerdings ist derzeit noch kein Ende der aktuellen Entwicklungen abzusehen. Das System läuft weiter. Die Fed druckt Unmengen an Dollar, das US-Handelsdefizit verteilt die Dollars um die Welt (genauso wie die "Pflicht", die US-Währung zum Kauf von Öl, Weizen & Co zu verwenden), und weil die Dollar-Besitzer diese nicht unter der Matratze horten können, kaufen sie eben US-Staatsanleihen, weil der Markt dafür sehr liquide ist. Wenn man nun bedenkt, dass die US-Staatsschulden derzeit gerade wieder in die Höhe schießen und der Bedarf an ausländischem Kapital stark steigt, dann erkennt man, dass es wohl noch schlimmer wird.

Für hunderte Millionen von Menschen auf dieser Welt jedoch bedeutet dies auch, dass ihre ohnehin schon schwierige Lage noch schlimmer wird. Menschen, die es in den letzten Jahren trotz der widrigen Umstände in die Mittelschicht ihres Landes schafften, stürzen wieder in die Armut ab. Unternehmen die Pleite gehen hinterlassen unzählige Arbeitslose, Staaten müssen ihren Bediensteten Gehaltskürzungen zumuten, und so weiter. Und das nur, weil das globale Finanzsystem in einer völligen Schieflage ist.

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