Jahrelang gab Angela Merkel den Ton innerhalb der EU an. Nachdem sie die Süd- und Osteuropäer verprellte, übernimmt nun der innenpolitisch angeschlagene Emmanuel Macron das Ruder.

Von Marco Maier

In den letzten zehn Jahren hat es Angela Merkel geschafft, zuerst infolge der Euro-, Wirtschafts- und Finanzkrise die Südeuropäer gegen sich aufzubringen und dann im Zuge der Migrationskrise auch zusätzlich noch die Osteuropäer (welche sich zudem noch gegen die Erdgas-Pipeline Nord Stream II stellen, die Deutschland zu einem Energie-Hub machen würde). Die einstige europäische Führungspersönlichkeit in Form der "starken Frau aus Deutschland" steht jedoch inzwischen innen- und europapolitisch vor einem Scherbenhaufen.

In das Machtvakuum jedoch stößt nun vor allem Frankreichs Eliten-Präsident Emmanuel Macron vor, der entgegen der alten französischen Tradition der "Grande Nation" kein Problem damit hat, eine extreme "Vertiefung" der Europäischen Union anzustreben, so lange dies bedeutet, dass in erster Linie Deutschland die Risiken trägt und dafür bezahlt. Die Billion Euro an Forderungen der Bundesbank im Target2-System gegenüber der EZB (und damit faktisch an die anderen Eurozonen-Notenbanken), sowie die nach wie vor bestehenden Milliarden-Risiken beim sogenannten Euro-Rettungsfonds ESM sind dem Franzosen nicht genug. Zudem kann er auf dem EU-Parkett von den eigenen Problemen im Land ablenken, die ihn innenpolitisch schwächen.

Für die Süd- und Osteuropäer ist dies natürlich ein willkommenes Geschenk und eine perfekte Möglichkeit, quasi Rache an Merkel zu üben, die ohnehin versucht mit der Scheckbuchdiplomatie die politischen Wogen in der aktuellen Asyl-Debatte zu glätten – und spielen dabei den Plänen Macrons voll in die Hände, der auch von den deutschen Sozialdemokraten Unterstützung erhält. Aber: Geschichte wiederholt sich gewissermaßen – konnte damals schon Napoleon zum Schaden der Deutschen auf Hilfe aus Deutschland zählen, sieht es bei Macron nicht viel anders aus.

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