Xi Jinping und Mohammed bin Salman. Bild: Xinhua

Die arabischen Länder sind für die Neue Seidenstraße strategisch wichtig. Mit Milliardenhilfen will China sie enger an sich binden. Aber auch dort kommen sie den Amerikanern in die Quere.

Von Marco Maier

Im Zuge der Diplomatieoffensive im Nahen Osten hat Präsident Xi Jinping den arabischen Ländern mehr als 23 Milliarden Dollar an Krediten versprochen, inklusive Hilfen für Palästina. Im Gegenzug werden die Chinesen bis zum Jahr 2025 wohl Güter (vor allem Öl und Gas) im Wert von atemberaubenden acht Billionen Dollar aus der Region importieren. Ziel Pekings ist es, die Beziehungen zu den arabischen Ländern zu festigen und sie in das gewaltige Wirtschaftsprojekt Neue Seidenstraße (One Belt, One Road) zu integrieren.

Kein Wunder also, dass eben das achte Ministerialtreffen des China-Arab States Cooperation Forum (CASCF), welches im Schatten der FIFA-Fußball-WM stattfand, auch strategische Weichenstellungen für die Zukunft mit sich bringt. So kündigte Peking an, quer durch die arabische Welt in die Transportinfrastruktur, in Öl und Gas, in die Finanzindustrie, in die digitale Ökonomie und in die künstliche Intelligenz investieren zu wollen. Auch Finanzhilfen für Palästina, Jordanien, Libanon und Jemen sind dabei. Hinzu kommt noch ein chinesisch-arabisches Bankkonsortium, welches mit einem Basiskapital von drei Milliarden Dollar ausgestattet werden soll.

Interessant ist hierbei vor allem der Fall Irak. Der US-Botschafter in Bagdad, Douglas Silliman, traf sich mit den Führern des bei den letzten Wahlen siegreichen schiitischen Blocks, darunter auch mit Haider al-Abadi und Ammar al-Hakim. Dabei unterbreitete er den irakischen Politikern ein Angebot im Mafia-Stil, welches sie nicht ablehnen könnten. So verlangen die Amerikaner die Kontrolle über 30 Prozent der Ölförderung, den vollen Zugang zu und die volle Kontrolle über die irakischen Banken, die absolute Beendigung des Handels mit dem Iran und die Auflösung der schiitischen Hashd al-Shaabi-Milizen, die im Kampf gegen den "Islamischen Staat" besonders effektiv waren. Doch nun wollen die Chinesen dort aktiv werden – was neue Konflikte mit den USA mit sich bringen dürfte.

Peking hat immerhin kein Interesse daran, bestehende ethnische, religiöse oder politische Konflikte zu schüren – ganz im Gegenteil würden sie diese am liebsten gelöst sehen, weil diese die Etablierung der Neuen Seidenstraße erschweren. Das chinesische Geld soll dazu beitragen, eben diese Konflike zu beruhigen und mit dem Aufbau von mehr Wohlstand für die breiten Schichten auch neue Absatzmärkte für die eigenen Produkte zu schaffen. Die Devise Pekings ist klar: Wir machen Geschäfte mit jedem Land in der Region, ungeachtet der diversen bilateralen Probleme zwischen einzelnen Staaten dort. Das haben die Partner der Chinesen auch zu akzeptieren – und sie tun es auch.