Angeklagter Pastor: USA drohen Türkei mit Sanktionen

Die USA und die Türkei befinden sich erneut in einer politischen Krise. Dieses Mal geht es um den Prozess gegen einen US-amerikanischen Pastor, der wegen des Verdachts auf Spionage und Terrorhilfe festgehalten wird.

Von Marco Maier

Der US-amerikanische Pastor Andrew Brunson wurde bereits vor fast zwei Jahren in der Türkei wegen Spionageverdacht und angeblicher Verbindungen zu Terrororganisationen verhaftet. Vorgestern wurde er zwar freigelassen, aber steht weiterhin unter Hausarrest, und muss sich weiteren Gerichtsverhandlungen stellen. Für Washington ist dies ein politisch motivierter Fall, zumal der von der CIA in die USA gebrachte Prediger (und inzwischen Erdogan-Feind) Fethullah Gülen in der Türkei wegen des Juli-Putschversuchs in der Anklage steht.

US-Vizepräsident Mike Pence, der vom Katholizismus zu einer evangelikalen Sekte konvertierte, drohte der Türkei indessen mit Sanktionen. Er warnte Präsident Erdogan mit Konsequenzen, sollte der Pastor nicht freigelassen und in die USA überstellt werden. Sollte dies der Fall sein, wäre es eine Premiere – denn noch niemals zuvor hat Washington gegen einen NATO-Partner Sanktionen verhängt.

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Auch US-Präsident Trump, der Brunson als "einen großen Christen, Familienmenschen und wunderbares menschliches Wesen" bezeichnete, forderte dessen Freilassung und drohte mit Sanktionen:

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Der türkische Außenminister, Mevlüt Cavusoglu, ließ sich nicht beeindrucken. Er antwortete (ebenfalls auf Twitter) in Richtung Washington: "Niemand diktiert der Türkei. Wir werden niemals Drohungen von irgendwem tolerieren. Der Rechtsstaat gilt für alle, keine Ausnahme."

Nun stellt sich die Frage, wie die Amerikaner darauf reagieren werden, nachdem sie schon in den letzten Monaten die Türkei mehrfach scharf attackierten, weil diese das russische Luftabwehrsystem S-400 kaufen und sowohl mit Moskau als auch mit Teheran und Peking gute politische Beziehungen aufbauten. Dies ging so weit, dass nun auch der Verkauf des US-amerikanischen Stealth Fighters F-35 an die Türkei vom Kongress verhindert werden soll.

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