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Über den Niedergang des Kapitalismus und die Unausweichlichkeit des Sozialismus

Es sollte immer die erste Frage eines Kommentators sein, ob sich eine Antwort zu dem Gelesenen lohnt. Denn vermutlich werden nicht allzu viele den Beitrag von Nelte lesen. Aber es gibt darin einige grundsätzliche Fragen, die mir für die Bewusstseinsbildung wichtig erscheinen.

Von Rüdiger Rauls

Ein Kommentar zu Rosa Luxemburgs „Die Schlussperiode des Kapitalismus“ von Norbert Nelte in "LINKE ZEITUNG".

Nelte schöpft seine Prognosen aus Werken, die schon über hundert Jahre alt sind. Das ist gewagt, bedenkt man, wie sehr sich die Welt in dieser Zeit verändert hat. Viele Ereignisse und Entwicklungen waren zudem damals noch gar nicht vorhersehbar wie beispielsweise der Faschismus, der einen enormen Einschnitt in der Menschheitsentwicklung bedeutete. Er erschütterte nicht nur das von der Aufklärung geprägte Menschenbild sondern auch die Vorstellungen von Marxisten über die gesellschaftliche Entwicklung. Bis zum Faschismus schien das Ende des Kapitalismus unausweichlich und der Sieg des Sozialismus als selbstverständlich. Auch bei Nelte klingt dieser Automatismus immer wieder an, obwohl er, anders als die Klassiker des Marxismus, vom Faschismus als einer historische Tatsache wissen müsste. Der Sieg des Sozialismus ist keine Selbstverständlichkeit, was auch schon Marx andeutete, wenn der von der Alternative von Sozialismus oder Barbarei sprach. Und der Faschismus war der erste Blick in den Abgrund der Barbarei. Es ist deshalb fahrlässig, auch wenn es vielleicht den Eindruck von Optimismus erweckt, so zu tun, als wäre der Untergang des Kapitalismus eine Unausweichlichkeit.

Es ist auch ein Denkfehler zu glauben, dass der Untergang des Kapitalismus in seiner derzeit herrschenden Form die Voraussetzung ist für das Entstehen einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft.

Zumal die apokalyptischen Prognosen, die Nelte hier entwirft, mehr dem Reich der Phantasie entstammen, als dass sie sich auf materialistische Analyse stützen:

„Der kommende Supercrash wird nicht zum Lachen sein. Am 1. Tag, ab dem er feststeht, werden die Supermärkte leer geräumt sein. Nun ziehen die Vandalenheere über das Land. Bürgerkriege zwischen den rechten Deutschen und der CIA-Geheimarmee ISIS und ihrer Anhänger entflammen, eine Hyperinflation entsteht. Ich hoffe, dass die Großstädte dann mit Notgeld und Lebensmittelmarken dann einigermaßen die Ordnung aufrechterhalten werden. Sie, denke ich, werden am sichersten sein. Natürlich, noch sicherer sind die Gegenden, wo man überhaupt nicht mit dem Auto hinkommt“.

Und weiter:

„Aber, glücklicherweise funktioniert Marxismus für den Endfall auch anders. Wenn die Kapitalisten aus dem Betrieb keine Profite mehr rausziehen können, setzen sie sich wie in Argentinien 2001 oft in das Ausland ab. Nun sind die Kollegen selber gezwungen, auch gegen ihre Überzeung, wenn es keinerlei Arbeitsalternativen mehr gibt, ihren Betrieb zu besetzen, wollen sie ihre Arbeit behalten. Das ist dann der erste Schritt zum Sozialismus.“

Da ist jeder Satz fragwürdig und könnte Thema für weitere Auseinandersetzungen sein. Da sich all das aber im Bereich der Spekulation bewegt, soll hier darauf verzichtet werden.

Der Untergang des Kapitalismus, den Nelte oben glaubt vorauszeichnen zu können, bedeutet, wenn er denn so stattfände, nicht das Ende des Kapitalismus. Es wäre zuerst einmal nur des Ende des Kapitalismus in der bisher gekannten Form. Auch danach würde wieder Kapitalismus entstehen, so wie nach dem Ende der Weimarer Republik der Kapitalismus weiterlebte in der Form des Faschismus und nach dem Faschismus in der Form der sozialen Marktwirschaft.

Denn kein Gesellschaftssystem bricht alleine dadurch zusammen, dass es in seiner bisherigen Form nicht mehr weiter funktioniert. Es bricht nur dann zusammen, wenn die Menschen oder die Menschheit allgemein, dieses Gesellschaftssystem als überholt ablehnen und ersetzen durch ein neues. Das ist aber dann nicht alleine Ergebnis von Rechenoperationen, wie Nelte in Bezug auf die Marx’schen Gleichungen und den Fall der Profitrate glauben machen will. Das ist dann auch nicht Ergebnis apokalyptischer Horrorvisionen, sondern letztlich Ergebnis eines veränderten Bewusstseins eines überwiegenden Teils der Menschheit oder des Teils der Menschheit, der von seiner gesellschaftlichen Entwicklung bereits am weitesten vorangeschritten ist.

Das wäre auf dem aktuellen Stand der Menschheitsentwicklung die Bevölkerung der entwickelten kapitalistischen Länder. Aber ohne diesen Schritt der Bewusstmachung wird es nicht vorangehen. Und OHNE die Erkenntnis der Menschheit, dass der Kapitalismus ihren Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird, wird sie sich weiterhin im Hamsterrad der Gesellschaftsformen abstrampeln, dessen Achse, um die sich alles dreht, weiterhin der Kapitalismus ist.

Rüdiger Rauls Buchveröffentlichungen:

Wie funktioniert Geld?
Kolonie Konzern Krieg – Stationen kapitalistischer Entwicklung
Zukunft Sozialismus oder die Grenzen des Kapitalismus
Die Entwicklung der frühen Gesellschaften – Die Geschichte Afghanistans
Was braucht mein Kind?
Späte Wahrheit (Prosa)

Herausgeber von:

Imre Szabo: Die Hintermänner (ein politischer Krimi)
Imre Szabo: Die Unsichtbaren (ein politischer Krimi)