Bei den Türken in Deutschland und Österreich lag der Anteil der Erdogan-Wähler deutlich höher als in der Türkei selbst. Das hat einfache Gründe.

Ein Gastartikel von Gernot Huber

Was war der Aufschrei groß, als rund zwei Drittel der türkischen Wähler in Deutschland und Österreich bei der Präsidentenwahl für Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan stimmten und auch dessen Partei AKP in unseren Breiten sehr gut abschnitt. Das selbe Geschrei und Gezeter, wie schon bei der Abstimmung zur Verfassungsänderung und auch bei der Präsidentenwahl zuvor. Doch all die Kritiker an der Wahlentscheidung der Türken die hierzulande leben sollten Folgendes bedenken:

Über viele Jahre hinweg hat die deutschen Politik samt medialem Anhang immer wieder konservative und islamistische türkische Verbände wie die DITIB und Milli Görus sowie stets sehr konservative Islamverbände generell hofiert und salonfähig gemacht. Schon seit vielen Jahren wird Kritik an den konservativen, radikalen Strömungen als "Islamophob" gebrandmarkt und mit gesellschaftlicher Ächtung honoriert. Selbst die archaischen nahöstlichen Kulturen wurden als "Teil der multikulturellen Vielfalt" immer wieder akzeptiert, obwohl deren Werte mit jenen in Europa nicht einmal ansatzweise kongruent sind. Sogar die Entstehung von Parallelgesellschaften wurde lange Zeit toleriert.

Da wundert man sich tatsächlich, dass die (teils schon seit Jahrzehnten in Deutschland bzw. Österreich lebenden) Türken dann ihr Kreuz bei Erdogan, seiner AKP oder gar der islamisch-nationalistischen MHP machen? Wirklich? Da greift man sich schon irgendwie an den Kopf. Klar wählen diese Menschen mehrheitlich so – oder glaubt jemand ernsthaft, dass das System Deutschland (bzw. Europa) mit Gender-Mainstreaming, Frühsexualisierung von Kindern und Nihilismus für diese Menschen eine positive Alternative darstellt? Wohl kaum. Das ist ja schon nicht einmal bei den Deutschen bzw. Österreichern selbst der Fall, wie einige Umfragen verdeutlichen.

Und gerade in einem Land, in dem eine Angela Merkel für mehr als zwölf Jahre Bundeskanzlerin sein darf, weil es immer noch einen beträchtlichen Anteil an Wählern für ihre Union gibt, sowie nicht wenige Stimmen für Roth, Göring-Eckardt , Hofreiter und deren Grünen, sollte man sich mit Verurteilungen zurückhalten. "Wir" machen es nämlich nicht gerade besser.

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