Südwest-Syrien: Massive Schlacht kann US-israelische Intervention auslösen

Im Südwesten Syriens rücken die Regierungstruppen vor und schlagen die dort aktiven Islamisten vernichtend. Das könnte dazu führen, dass sich Amerikaner und Israelis militärisch einmischen.

Von Redaktion

Der lang erwartete Kampf um Daraa hat begonnen, trotz wiederholter Warnungen der USA an die syrische Regierung, ihre militärische Kampagne nicht auf den Süden des Landes auszuweiten, wo der Konflikt 2011 mit (vom Westen angeleierten und unterstützten) heftigen Anti-Assad-Protesten begann und sich dann schnell in Gewalt und Krieg verwandelten.

Die Kämpfe begannen am Dienstagabend, als die Elitetruppen der Armee einen Luftstützpunkt im Nordosten Daraas angriffen, der unter jihadistischer Kontrolle stand – nämlich die von den USA unterstützte FSA "Südfront"-Gruppe und mit ihnen alliierte Hayat Tahrir Al-Sham (früher al-Nusra, eine Filiale von al-Qaida). Nach der Befreiung der Basis bombardieren die Streitkräfte nun mit Artilleriefeuer gegnerische Städte, die seit Jahren eine Brutstätte für den Terroraufstand der Al-Qaida und des IS sind.

Die Armee und die alliierten Streitkräfte, darunter Berichten zufolge auch Spezialeinheiten der Hisbollah, sind tief in die Gouvernements von Al-Quneitra und Daraa vorgedrungen, wo eine massive Kampagne für den letzten Vorstoß zur Kontrolle des gesamten Südwestens erwartet wird. Präsident Bashar al-Assad hat in jüngsten Interviews versprochen, "jeden Zoll" des souveränen syrischen Territoriums zu befreien.

Bemerkenswerterweise hat der IS lange Zeit eine Hochburg entlang der von Israel besetzten Golanhöhen und der jordanischen Grenze unterhalten – etwas, das die israelische Führung und die Medien nur allzu gut kennen und anscheinend ignoriert haben. Westliche Medien haben Israels "nicht so geheime" stille Unterstützung für Dschihadisten entlang der Golan-Grenze zunehmend anerkannt, sogar das Wall Street Journal bestätigt Waffentransfers und medizinische Hilfe für Al-Qaida-Aufständische. Schon 2015 sagte der ehemalige amtierende CIA-Direktor Michael Morell der israelischen Öffentlichkeit während einer Tour durch das Land direkt, dass Israels "gefährliches Spiel" in Syrien darin besteht, mit Al-Qaida ins Bett zu gehen, um den schiitischen Iran zu bekämpfen.

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Die oberste Priorität des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu bleibt jedoch die Abschreckung des Irans und der Hisbollah in Syrien, insbesondere die Zerschlagung dieser Streitkräfte in der Nähe der israelischen Grenze, die er als "rote Linie" bezeichnete. Bereits früher reagierten die Israelis auf militärischen Vorstöße in der Region mit Luftangriffen auf Damaskus und andere Städte in Syrien.

Der anhaltende Vorstoß der syrischen Armee nach Deraa war zweifellos ein Schlüsselthema während Netanyahus Montagsbesuch bei König Abdullah von Jordanien – dem ersten öffentlichen Treffen zwischen den beiden Führern seit 2014. Erst letzte Woche hat Abdullah den Iran wegen "Interferenzen in Arabische Angelegenheiten" und Politik attackiert, "die dem Prinzip der guten Nachbarschaft schaden", und den jordanischen Botschafter im Iran aus Protest über die Ereignisse in Syrien und im Jemen zurückgerufen.

Während sich der Krieg um den syrischen Südwesten verschärft und Damaskus weiterhin massive Truppen zur Vorbereitung auf die letzte Großoffensive aufstellt, bleibt das Potenzial für eine stärkere israelische oder US-amerikanische und westliche alliierte Intervention hoch.

Man wird sich wohl darauf einstellen müssen, dass bald wieder amerikanische und israelische Raketen und Bomben auf syrisches Territorium regnen, um den Vormarsch der Regierungstruppen und deren Alliierten zu verhindern.

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