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Ein neuer Mondtrip auf die Südseite des Erdtrabanten soll klären, ob man mit den dortigen radioaktiven Isotopen eine "saubere" Atomkraft verwirklichen kann. Helium-3 ist auf der Erde sehr selten, dort jedoch in Unmengen vorhanden.

Von Marco Maier

Das indische Raumfahrtprogramm will eine Expedition auf die Südseite des Mondes wagen. Einmal dort, möchten die Wissenschaftler untersuchen, wie groß das Potential zum Abbau von nuklearem Material ist, welches eine atommüllfreie Energieproduktion ermöglichen soll. Die Chancen dafür stehen gar nicht einmal so schlecht.

Das indische NASA-Pendant wird im Oktober einen Rover starten, um Neuland auf der Mondoberfläche zu erforschen und Krustenproben auf Anzeichen von Wasser und Helium-3 zu untersuchen. Dieses Isotop ist auf der Erde begrenzt, aber auf dem Mond so reichlich vorhanden, dass es theoretisch den globalen Energiebedarf für 250 Jahre decken könnte, wenn es genutzt wird. "Die Länder, die die Fähigkeit haben, dieses Material vom Mond zur Erde zu bringen, werden den Prozess diktieren", sagte K. Sivan, Vorsitzender der Indian Space Research Organization (ISRO). "Ich möchte nicht nur ein Teil von ihnen sein, ich möchte sie führen."

Die Mission würde Indiens Platz unter der Flotte von Entdeckern festigen, die ihre Rennen zum Mond, Mars und darüber hinaus für wissenschaftliche, kommerzielle oder militärische Gewinne führen. Die Regierungen der USA, Chinas, Indiens, Japans und Russlands konkurrieren mit Start-ups und Milliardären Elon Musk, Jeff Bezos und Richard Branson um Satelliten, Robo-Lander, Astronauten und Touristen in den Kosmos zu katapultieren.

Die Roverlandung ist ein Schritt in einer geplanten Serie für ISRO, die beinhaltet, eine Raumstation in den Orbit zu bringen und möglicherweise eine indische Crew auf dem Mond. Die Regierung muss llerdings noch einen Zeitrahmen für die Mission Chandrayaaan-2 festlegen. Im Jahr 2008 umlief die Chandrayaan-1 insgesamt 3.400 Mal den Mondorbit und entdeckte zum ersten Mal Wassermoleküle auf der Mondoberfläche.

In diesem Jahrhundert konnte lediglich China einen Rover auf dem Mond absetzen, als die Chang'e 3-Mission im Jahr 2013 erfolgreich war. In diesem Jahr soll noch eine Sonde zum Mond geschickt werden, welche die bislang unerforschte Rückseite genauer unter die Lupe nehmen soll. US-Präsident Trump will auch wieder Astronauten ins Weltall entsenden und die NASA will einen Satelliten zum Mond entsenden – mit einem Budget von 19 Milliarden Dollar sollte dies kein Problem sein, wenngleich die Amerikaner auch auf russische Raketentriebwerke angewiesen sind.

Die Präsenz von Helium-3 wurde bereits bei den Apollo-Missionen festegestellt und der Astronaut und Geologe Harrison Schmitt, der bei der Apollo-17-Mission im Dezember 1972 auf dem Mond herumlief, betont, dass dort mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit genügend Helium-3 vorhanden ist, um abbauwürdig zu sein. Schätzungen zufolge soll es sich insgesamt um etwa eine Million Tonnen des radioaktiven Materials handeln. Der Wert: Geschätzt fünf Milliarden Dollar pro Tonne. Und: Laut der europäischen Raumfahrtagentur ESA soll Helium-3 abfallfreie radioaktive Energie gewährleisten.