Bail-out: Argentinien erhält Mega-IWF-Kredit

Nur wenige Wochen nachdem Argentinien zum Vorboten der anstehenden finanziellen Kernschmelze der Schwellenländer wurde, gewährte der Internationale Währungsfonds dem Land einen Mega-Kredit – mit den üblichen Austeritätsauflagen.

Von Marco Maier

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Argentinien (wieder einmal) mit einem umfangreichen Bail-out aus der Klemme geholfen. Ganze 50 Milliarden Dollar – um zehn Milliarden mehr als erwartet – stehen dem südamerikanischen Land nun als Stand-By-Kredit zur Verfügung, nachdem die internationalen Investoren ihre Gelder aus dem Land abzogen und die Großbank JPMorgan Argentinien neben der Türkei als Absturzkandidaten bezeichnete. Die Zinsen für die Kredittranchen liegen zwischen 1,96 und 4,96 Prozent.

"Wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, dass wir eine Krise vermieden haben", sagte Finanzminister Nicolás Dujovne auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires. "Dies zielt auf den Aufbau einer normalen Wirtschaft." Dujovne sagte, dass etwa 15 Milliarden Dollar aus der Kreditlinie für Argentinien sofort zur Verfügung stehen würden, nachdem das Paket vom IWF-Vorstand genehmigt wurde, was am 20. Juni erwartet wird. Der Rest wird ausbezahlt, wenn Argentinien die Ziele des IWF erfüllt.

Der Finanzminister betonte, dass die internationale Gemeinschaft das Land wohl als "too big to fail" ansieht und deshalb geholfen habe. Vielmehr dürfte es aber daran liegen, dass Präsident Macri als Washingtons Marionette gilt und in dem südamerikanischen Land, welches zuvor von Christina Kirchner geführt wurde, wirtschaftliche Reformen zugunsten ausländischer (US-amerikanischer) Investoren durchführt.

Bloomberg zufolge wird Argentinien 30 Prozent der Mittel ein oder zwei Tage nach der Vorstandssitzung des Fonds am 20. Juni zur Verfügung haben, und in einer typischen IWF-Rettungsaktion werden Austeritätsmaßnahmen für das ehemals reichste Land Lateinamerikas verhängt: als Teil des Abkommens wird das Land nun ein Haushaltsdefizit von 1,3 Prozent des BIP im Jahr 2019 und 2,7 Prozent in diesem Jahr anstreben, wobei ein ausgeglichenes Haushaltssaldo für 2020 angestrebt wird. Und da die bisherigen Ziele von 2,2 und 3,2 Prozent fast genauso lächerlich waren, hat das jüngste Sparpaket des IWF nicht nur keine Chance, jemals erreicht zu werden, sondern wenn Griechenland ein Anzeichen dafür ist, wird es die Argentinien-Krise weit schlimmer machen. Die Regierung hat auch ein neues Inflationsziel von 17 Prozent im Jahr 2019 festgelegt – es gilt als niedrig – und soll auf 13 Prozent im Jahr 2020 und 9 Prozent im Jahr 2021 sinken.

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