Kim Jong-un. Bild: KCNA
Kim Jong-un. Bild: KCNA

Wegen Militärmanöver: Nordkorea sagt Gespräche ab

Weil die USA und Südkorea aus Respektlosigkeit ein gemeinsames Militärmanöver nahe der Grenze zu Nordkorea abhalten, hat Pjöngjang die für heute angesetzten Versöhnungsgespräche mit dem Süden erst einmal abgesagt.

Von Redaktion

In Washington und Seoul scheint man nicht wirklich an einer Entspannung mit Pjöngjang interessiert zu sein. Für den 12. Juni ist zwar ein historischer Gipfel zwischen Kim Jong Un und Donald Trump angesetzt, doch zuvor setzt man lieber auf eine erneute Eskalationsstrategie, indem man das jährlich stattfindende Großmanöver der Luftwaffen Südkoreas und der Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Namen "Max Thunder" nahe der Grenze zu Nordkorea trotzdem durchführt.

Bei der zweiwochigen Übung, an der vor allem Kampfjets und atomwaffenfähige Langstreckenbomber beteiligt sind, und die vom 11. bis zum 25. Mai stattfindet, werde ein Angriff auf den Norden simuliert, was eine "bewusste militärische Provokation" sei, wie die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA mitteilt. Damit würden "die Friedensbemühungen und guten Absichten" des Nordens untergraben, weshalb man nun das heutige Treffen mit den Vertretern Südkoreas absagt und eine "Verschiebung" angekündigt.

"Es gibt eine Grenze dafür, guten Willen zu zeigen und Möglichkeiten zu eröffnen", hieß es in dem KCNA-Bericht. "Die historische Panmunjom-Erklärung kann nicht allein durch die unilateralen Bemühungen einer Seite umgesetzt werden." Das "Schicksal des Gipfeltreffens zwischen Nordkorea und den USA" stehe auf dem Spiel, dessen müsse sich Washington bewusst sein.

Zudem hat es die nordkoreanische Regierung kategorisch abgelehnt, das Atomwaffenarsenal des Landes im Gegenzug für Wirtschaftshilfen aufzugeben. Auch werde das geplante Gipfeltreffen mit Präsident Donald Trump nicht zustandekommen, wenn die USA weiter einseitig darauf bestünden, dass Nordkorea sein Atomprogramm aufgibt. Das sagte der nordkoreanische Vize-Außenminister Kim Kye Gwan am Mittwoch laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Die Vereinigten Staaten würden das Land durch politischen Druck in die Enge treiben wollen.

In Washington kümmert man sich nicht sonderlich darum, da diese Militärübungen schon vor langer Zeit angekündigt worden seien. Diese seien seit Jahrzehnten defensiver Natur und dienten dazu, Südkoreas Verteidigungsfähigkeit zu sichern. Man werde sich dennoch auf das Treffen der beiden Staatschefs am 12. Juni in Singapur konzentrieren.

Seoul selbst bedauerte die Absage der für heute angesetzten Versöhnungsgespräche durch den Norden. Das Vereinigungsministerium in Seoul rief das Nachbarland am Mittwoch auf, so früh wie möglich Gespräche zu führen, die "dem Frieden und Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel" dienten. Die Regierung sei entschlossen, die gemeinsame Erklärung des bilateralen Gipfeltreffens vom 27. April umzusetzen.