Die deutsche Nationalmannschaft. Bild: Twitter / @DFB_Team

Als Titelverteidiger geht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in das Weltturnier ab dem 14. Juni in Russland. Nach der überaus erfolgreichen Qualifikation mit zeitgleichen Siegen bei Confederations Cup und U21-Europameisterschaft stellt sich die berechtigte Frage nach der Titelverteidigung. Kann es die Löw-Elf 2018 schaffen?

Gruppe erste Herausforderung auf dem Weg zum Finale

Zehn Siege in zehn Spielen schafft bei weitem nicht jede Mannschaft. Genau genommen war es einzig die Mannschaft von Joachim Löw, die sich ohne Punktverlust ins Weltturnier katapultierte. Die Qualifikationsgruppe war freilich nicht allzu fordernd: Nordirland und Tschechien stellten noch die größten Aufgaben dar, waren aber letztlich ebenso chancenlos wie Norwegen, Aserbaidschan und San Marino. Nun also Weltmeisterschaft und schon die Gruppenphase gibt einiges mehr her, als es die Qualifikation tat. Mexiko, Schweden und Südkorea wurden der DFB-Elf im vergangenen Dezember im Kreml zugelost. Besonders den Skandinaviern wurde in Europa viel Aufmerksamkeit zuteil, nachdem sie Italien in den Playoffs nach Hause schickten.

Schweden kommt mit einem defensivstarken Team nach Russland, völlig gleich, wie die ewige Diskussion um eine Rückkehr von Zlatan Ibrahimovic letztlich ausgeht. Akteure wie Bremens Ludwig Augustinsson oder Andreas Granqvist vom FC Krasnodar sorgen für jene Stabilität, die von Hamburgs Albin Ekdal im defensiven Mittelfeld komplettiert werden soll. Mexiko hofft traditionell auf einen langen Lauf im Turnier, den Nationalheld Javier Hernández mit seinen Toren einleiten soll. Eine gute Saison spielt er für West Ham United freilich nicht, weshalb es fraglich erscheint, wie es in Russland auf einmal gelingen soll. Vielleicht ist es die Hilfe von Shootingstar Hirving Lozano, die ihn auf jenes Level zurückführt. Südkorea kommt wie meist mit einem geschlossenen Team, herauszuheben ist allenfalls Tottenhams Son Heungmin.

Teamspirit entscheidend für abermaligen Triumph

Der WM-Pokal. Bild: Twitter / World Cup 2018
Der WM-Pokal. Bild: Twitter / World Cup 2018

Die Gruppenphase sollte trotz unterschiedlich gearteter Herausforderungen also machbar sein für die DFB-Elf. Erst im Anschluss warten härtere Brocken, schon im Achtelfinale könnte es beispielsweise zur Revanche Brasiliens kommen. In den Fussballwetten ist die Mannschaft nichtsdestotrotz mit einer Quote von 5,50 (Stand 01. Mai) ganz oben auf der Liste, gemeinsam mit jenen Brasilianern, welche die Südamerika-Qualifikation nach ein paar Anlaufschwierigkeiten in Grund und Boden spielten. Noch eine weitere Statistik gehört momentan Brasilien: die des letzten Titelverteidigers. 1962 gelang es den Südamerikanern als letztem Team der Fußballgeschichte, einen Weltmeistertitel nach 1958 erneut zu gewinnen. Doch mit dem Brechen solcher Rekorde kennt sich Deutschland spätestens seit 2014 aus, schließlich hatte noch nie eine europäische Mannschaft in Südamerika triumphiert.

Um eine Titelverteidigung tatsächlich erfolgreich realisieren zu können, braucht es wieder eine perfekte Leistung in sämtlichen Teilen des Aufgebots, sei es von den Spielern, dem Trainerteam oder den Betreuern. Ohne den 2014 beschworenen Teamgeist wird es unmöglich sein, zu triumphieren. Dazu kommt, dass Deutschland in Russland die Gejagten sein werden. Jeder möchte den amtierenden Weltmeister schlagen, doch die mentale Stärke sollte im Aufgebot vorhanden sein. Das einzige Fragezeichen steht nach wie vor hinter Kapitän Manuel Neuer, der sich auf dem Weg zurück ins volle Teamtraining des FC Bayern befindet. Es wäre wünschenswert für Löw, dass sein Torhüter auf dem Weg zur Endrunde noch etwas Spielpraxis im Verein sammelt. Ansonsten stehen die Zeichen nicht allzu schlecht. Deutschland hat das Potential, seinen Titel zu verteidigen, dafür muss jedoch alles zusammenkommen.