Kronprinz Mohammed bin Salman verprellt mit seinen Reformplänen für Saudi-Arabien einige Einflussreiche Kräfte im Land. Das kann zum Bürgerkrieg ausarten. Ein in Deutschland im Exil lebender Prinz warnt.

Von Marco Maier

Prinz Khaled bin Farhan, der seit 2013 in Deutschland unter dem Schutz des Asylrechts lebt, sorgt derzeit für Aufregung. In einer Videobotschaft teilt der geflüchtete saudische Prinz mit, dass die Modernisierungspolitik des Kronprinzen, Mohammed bin Salman (MbS), viele Mächtige im Land verprellen würde. Die "Hausarrest-Aktion", als er rund 400 Mitglieder der Königsfamilie und hochrangige Vertreter der Behörden im Ritz Carlton in Riadh einsperren ließ, um von ihnen Geld zu erpressen, habe ihm viel Feindschaft entgegengebracht.

Bin Farhan teilte auch mit, dass er viele E-Mails von Polizei- und Armeevertretern des Landes erhalten habe, die ihn unterstützen würden. Sollte Mohammed bin Salman weiter an der Macht bleiben, würde dies zu einem "Vulkan" der Instabilität im Land führen, der explosiv ausbrechen werde. "Wenn er ausbricht, dann wird er nicht nur die Lage in Saudi-Arabien beeinflussen, oder in der arabischen Region", er würde auch die Europäer treffen.

Er wies auf die volatile Mischung aus autokratischer Herrschaft und wahhabitischem klerikalen Establishment hin und sagte, der islamische Terrorismus werde in der Region und in der ganzen Welt explodieren, sollte ein Coup von außerhalb der königlichen Familie kommen: "Wenn Saudi-Arabien in einen Zustand des Chaos gerät, wird es ein globales Chaos geben, und es [Saudi-Arabien] wird eine Quelle des Terrorismus für die ganze Welt sein, da es den internationalen Terrorismus unterstützen und aufrechterhalten wird", sagte Prinz Khaled. Natürlich würden wir hinzufügen, dass das saudische Regime sich zwar als "Feuerwehrmann" der terroristischen Geißel präsentiert, aber in Wirklichkeit der Brandstifter ist, der seine wahhabitischen Militanten im Ausland einsetzt, besonders an Orten wie Nordafrika und Syrien, wie die New York Times darauf hinwies.

Bezüglich der angeblichen "Anti-Korruptions-Säuberung" vom vergangenen November, die darauf abzielte 800 Milliarden Dollar an Vermögenswerten für saudische Staatskassen zurückzuerobern (laut WSJ-Zahlen, obwohl die Saudis sagen, dass sie 100 Milliarden Dollar eingesammelt haben), sagte Khaled, dass die über 300 festgenommeen zwar freigelassen wurden, doch sie keine freien Männer mehr seien, da sie Überwachungsgeräte an ihren Beinen haben, ihre Mobiltelefone überwacht und sie daran gehindert werden, das Land zu verlassen.

Er sagte, dass die langanhaltende Inhaftierung, die Wochen und Monate Schlagzeilen machte, die königliche Familie erniedrigte: "Es war ein Schock für die ganze Familie, weil prominente Personen in der Familie in einer Weise festgehalten wurden, die eine große Demütigung beinhaltete. Es war ein Schock für die ganze Familie. Die Familie steht jetzt vor der Untergrabung ihres Ansehens in den Augen der Menschen. Und dies wird unweigerlich ihre Legitimität untergraben."

In der Reformagenda von MbS, die das Verbot von Frauen einschließt, die Autos fahren wollen, ihnen den Besuch von Kinos ermöglicht und den Arbeitsplatz liberalisieren, sieht Khaled den Versuch, eine Nebelwand zu schaffen, um den Westen zu beschwichtigen und die wahre Natur des saudischen repressiven Top-Down-Systems zu verbergen, welches absolute Vollmachten zur Ernennung von Richtern und Regierungsmitgliedern in die Hände des Königs legt. In der Tat scheint das anhaltende Vorgehen und die Festnahmen dieser Frauenrechtsaktivisten, die sich in dieser Woche gegen das Verbot gewehrt haben, dies zu bestätigen.

"Die Verfassung des Staates wird sich ständig mit der Persönlichkeit des Königs ändern", sagte Prinz Khaled. "Wo ist der strategische Plan für den Staat? Wir müssen ein klares Ziel haben, auf das wir hinarbeiten. Und es ist die Aufgabe des Königs, einen taktischen Plan zu entwickeln, der uns hilft, diese Strategien umzusetzen." Er fuhr fort: "Aber mit der Art, wie wir vorgehen, wird unser Land sie zu spät erreichen. Wir sind schon spät dran. Wir denken, wir hätten finanzielle Vermögenswerte und gebildete Individuen, aber leider wirft uns die Situation gerade jetzt Jahre zurück."

Prinz Khaled, den die Saudis angeblich versucht haben, ins Königreich zu locken, um ihn dort einzusperren und zum schweigen zu bringen, steht unter dem Schutz des deutschen Geheimdienstes, der ihn auch vor Reisen außerhalb seiner Grenzen gewarnt hat, aus Angst, der saudische Geheimdienst würde ihn entführen.

Dies ist nicht verwunderlich, da Khaled MbS auch als psychisch instabil und lange Zeit unter "psychischen Problemen" beschrieben hat, während er eine peinliche interne Familiendynamik aus der Jugend von MbS enthüllt. "Ich würde nicht sagen, dass er gewalttätig war", erzählte Prinz Khaled Aber als er jünger war, in der königlichen Familie, hatte er keinen Status. Er war ein normales Mitglied der Familie. Seine Brüder hatten höhere Positionen, und sie hatten eine Stimme innerhalb der saudischen herrschenden Elite. Natürlich waren seine Cousins älter, erfahrener, besser aufgestellt, gebildeter und alles andere."

"Ich denke, er entwickelte psychische Probleme, weil einer seiner Cousins, den er verhaften ließ, wenn er ihn traf, er [Mohammed bin Salman] um einen Termin bitten musste, und vielleicht würde der Prinz ihn treffen, oder vielleicht auch nicht. Das hat in ihm ein psychologisches Problem geschaffen und heute revanchiert er sich gegen seine Cousins."