Sanktionitis & Egoismus: Trump verspielt das US-Imperium

Die USA mögen zwar eine Top-Wirtschaftsmacht der Welt sein und der Dollar mag global die Nummer 1 darstellen, doch die zunehmend aggressive Außenpolitik samt Sanktionswahn sorgt für das Ende des US-Imperiums.

Von Marco Maier

Donald Trump und sein neokonservatives Kabinett haben das geschafft, was die anderen Administrationen vorher trotz ihrer egoistischen Politik nicht schafften: das US-Imperium zu verspielen und endgültig die Weichen zur multipolaren Weltordnung zu stellen. Gerade die letzten Monate des rigorosen "America First" haben diese Entwicklung noch verstärkt und beschleunigt.

Egal ob nun die Jerusalem-Frage, die einseitige Aufkündigung des Nuklearabkommens mit dem Iran (samt neuer Sanktionen), die Korea-Krise, die anstehenden Handelskriege oder auch der Konflikt mit Russland – Washington entscheidet in typischer Supermacht-Manier im Alleingang und ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Alliierten, Partner und/oder Vasallen. Das war zwar auch schon früher immer wieder der Fall, aber die anderen Administrationen haben sich zumindest die Mühe gegeben, das Ganze ein wenig mit den verbündeten Staaten abzusprechen.

Inzwischen schaffen es sogar die Chinesen – mit Blick auf die Koreakrise – einen wichtigen Punkt anzusprechen, nachdem Trump seinen chinesischen Amtskollegen Xi attackierte, weil er nicht in der Lage war die Zeichen Kims zu deuten. So schreibt die "Global Times":

"Die USA fordern einseitig eine rasche nukleare Denuklearisierung, bevor sie Pjöngjang entschädigen. China wird sich einem solchen Abkommen zwischen den USA und Nordkorea nicht widersetzen. Kann Washington dies jedoch erreichen? Pjöngjang hat gerade eine Antwort gegeben … Es wäre in Ordnung, wenn Washington Druck auf Pjöngjang ausüben würde, um einen Vorsprung bei den Verhandlungen zu gewinnen, aber Washington sollte zweimal über die Möglichkeit nachdenken, die koreanische Halbinsel zurück zu einem erbitterten Antagonismus zu drängen.

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Aus chinesischer Sicht ist klar, dass die USA ihr Gewicht überschätzt haben, indem sie Nordkorea gezwungen haben, ihre Forderungen zu akzeptieren. Die USA haben die peinliche Situation vergessen, die sie im letzten Jahr hatten, als sie Nordkoreas Atom- und Raketentests nicht stoppen konnten, und die Schwierigkeit, militärische Maßnahmen gegen Nordkorea zu ergreifen.

Die USA haben immer geglaubt, dass es von Nordkorea übertölpelt wurde, was in Wirklichkeit nicht korrekt ist. Die USA waren mehrfach für die abgebrochenen Beschlüsse der Halbinsel verantwortlich."

Und die Europäer? Die sind zum Erhalt des Nuklearabkommens sogar dazu bereit, auf den Petrodollar zu pfeifen und den Iranern ihr Öl für Euro abzukaufen. Auch die von Washington angeleierten Sanktionen gegen Russland stehen immer stärker in der Kritik, so dass auch hier bald schon eine Abkehr vom US-Diktat erfolgen könnte. Selbst wenn der ganze Abnabelungsprozess garantiert noch mehrere Jahre braucht – aber die Transatlantiker verlieren in Europa immer mehr an Rückhalt.

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Die Amerikaner haben es sogar geschafft, Deutschland, den bislang eigentlich engsten Vasallen/Verbündeten im westlichen Europa, massivst zu verprellen. Mafiöse Drohungen wie "Entweder ihr gebt Nord Stream 2 auf, oder wir werden euch mit Stahl- und Aluminiumzöllen eindecken, bis ihr nicht mehr atmen könnt" tragen nicht gerade positiv zum gegenseitigen Verständnis bei. Lediglich der Umstand, dass die deutsche bzw. europäische Wirtschaft (noch) eng mit jener der Vereinigten Staaten verflochten ist, lässt vor härteren Gegenmaßnahmen zurückschrecken. Aber wie lange noch?

Der Stern des US-Imperiums beginnt bereits zu sinken. Zwar war dies schon vor der Präsidentschaft Donald Trumps der Fall, doch er und sein neokonservatives Kabinett schaffen es, daraus einen Sturzflug zu machen. Die Welt des 21. Jahrhunderts wird (wieder) mehrere Machtzentren kennen.

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