Russlands Finanzminister: Wir sind bereit, den Dollar zugunsten des Euro auszutauschen

Die derzeitige eher US-kritische Stimmung in Europa gilt als Gunst der Stunde für Russland. Der Tausch des Dollars gegen den Euro im Zahlungsverkehr ist ein gutes Angebot Moskaus an die Europäer, welches sie nicht ausschlagen sollten.

Von Marco Maier

Russland will sich vom US-Dollar lösen. Das ist lange Zeit bekannt. Da die Europäer inzwischen den Konflikt mit den Vereinigten Staaten nicht mehr wirklich scheuen (siehe Iran-Krise, aber im Falle Deutschlands auch in Sachen Nord Stream 2), hofft man in Moskau natürlich auch, dass die unseligen – von Washington initiierten – Sanktionen zumindest von europäischer Seite aus aufgehoben werden. Immerhin wollen die Russen auch gute Beziehungen zu den europäischen Ländern haben.

Russlands Finanzminister Anton Siluanov sagte auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum, dass die Abrechnungen in US-Währung von Russland zugunsten des Euro fallen könnten. Allerdings würde Russland nur unter einer Bedingung einen so beispiellosen Übergang vollziehen: Wenn die EU gegen die jüngsten US-Sanktionen gegen Moskau Stellung bezieht.

"Wie wir sehen, sind die von den amerikanischen Partnern auferlegten Beschränkungen extraterritorial. Die Möglichkeit, bei Zahlungen vom US-Dollar zum Euro zu wechseln, hängt von der Haltung Europas gegenüber Washingtons Position ab", sagte Siluanov, der auch der erste stellvertretende Premierminister Russlands ist. "Wenn unsere europäischen Partner ihre Position eindeutig erklären, könnten wir auf jeden Fall einen Weg sehen, die gemeinsame europäische Währung für Finanzausgleiche zu nutzen, wie Zahlungen für Waren und Dienstleistungen, die heute oft Beschränkungen unterliegen", fügte Siluanov vor Merkel und Macron hinzu.

Moskau (aber auch Peking) hat die Gunst der Stunde erkannt. Gerade jetzt ergibt sich eine hervorragende Gelegenheit, die Europäer aus der amerikanischen Umklammerung zu lösen und sie von der Notwendigkeit einer multipolaren Weltordnung zu überzeugen, in der die Großmächte der Welt (derzeit die USA, die EU, Russland und China) gleichberechtigt nebeneinander stehen, weil das US-Imperium zusammengebrochen sein wird, wenn die Europäer ihre Stärke erkennen.

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Das Angebot Siluanovs an Merkel, Macron und die ganze EU mag zwar nicht uneigennützig sein, bietet jedoch auch den Europäern viele Chancen. Diese sollten sie nutzen, anstatt sich aus transatlantisch-ideologischen Gründen dagegen zu stellen.

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