Özil und Gündogan bei Erdogan in London. Bild: Youtube
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Die DFB-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan sorgen mit ihrer Erdogan-Werbeaktion für Unmut. Warum eigentlich? Geht es den Spielern um Patriotismus oder um Geld und Ruhm?

Von Michael Steiner

Die Fotos der beiden Fußballspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit den signierten Trikots für Präsident Recep Tayyip Erdogan sorgen in weiten Teilen Deutschlands für Aufregung und Unmut. Gerade vom politischen Establishment Deutschlands wird die Erwartung gestellt, dass man als sportlicher Repräsentant der Bundesrepublik sich gefälligst auch politisch konform verhalten zu habe.

Solche Gesten, wie sie die beiden türkischstämmigen Spieler der deutschen Nationalelf ablieferten, sorgen hierbei entsprechend für gewaltigen Unmut. Man fordert den DFB inzwischen auch dazu auf, die beiden Fußballer aus der Nationalmannschaft zu entfernen, weil sie ja mit ihrem Geschenk an Präsident Erdogan einem "Diktator" bzw. einem "Autokraten" huldigen würden.

Dabei muss doch jedem klar sein, dass sich viele Zuwandererabkömmlinge auch in der dritten Generation noch ihrem Stammvolk zugehörig fühlen. Eine Assimilierung, wie sie bei den französischen Hugenotten oder den vielen polnischen Zuwanderern ins Ruhrgebiet während der industriellen Revolution schlussendlich eintrat, ist nämlich gerade bei den Muslimen, Hindus usw. kaum möglich, da sich die Lebenswelten teils schon stark unterscheiden.

Wenn es das Ziel des deutschen Establishments ist, auch im Sport ein multikulturelles Abbild der Gesellschaft zu haben, muss man eben auch damit leben, dass die Sportler mit Migrationshintergrund zumeist auch noch ihr eigentliches Herkunftsland im Herzen tragen. Denn im Gegensatz zum deutschen Nationalmasochismus wachsen diese eben noch mit einem Nationalstolz auf, der von Generation zu Generation weitergetragen wird.

Anstatt sich darüber zu beschweren, dass diese Spieler sich zu ihren Wurzeln bekennen, wäre es doch sinnvoller sich zu fragen, warum das bei den ethnisch deutschen Spielern nicht der Fall ist. Im Endeffekt geht es – so macht es zumindest den Anschein – den Spielern nur um die immensen Geldbeträge die auf ihre Konten fließen und den öffentlichen Ruhm. Da könnte schlussendlich jeder Ländername (oder in den Ligen auch Clubname) auf dem Trikot stehen, so lange die Kohle fließt und man Pokale gewinnt, ist das völlig egal. Wäre es für Nationalmannschaft-Spieler möglich, die Teams zu wechseln – sie würden es größtenteils wohl tun. So einfach ist das.