Nicht nur Russland, China, der Iran oder Venezuela kehren dem US-Dollar zunehmend den Rücken, auch in der EU mehren sich nach Trumps Iran-Entscheidung entsprechende Forderungen. Hört man in Brüssel nun plötzlich auf Präsident Putin?

Von Marco Maier

Auch wenn der US-Dollar nach wie vor die wichtigste Welt-Handelswährung ist, so versuchen immer mehr Staaten dieser Welt sich von der US-amerikanischen Währung zu lösen. Teils aus politischen und teils aus wirtschaftlichen bzw. finanziellen Gründen. Immerhin birgt die Abhängigkeit vom US-Dollar für die anderen Staaten nicht nur Chancen, sondern vor allem auch enorme Risiken. Denn mit dem Handel in der US-Währung kommt auch der Bedarf an Dollar-Reserven, sowie die Unterwerfung unter das US-amerikanische Sanktionsregime.

Letzteres spielt nun für die Europäer auch gerade wegen der Reaktivierung von US-Sanktionen gegen den Iran im Zuge des Ausscheidens der Vereinigten Staaten aus dem Nuklearabkommen eine gewichtige Rolle. Immerhin ist der Iran ein interessanter Handelspartner, der im Zuge der Modernisierung der eigenen Volkswirtschaft auch für umfangreiche Investitionen interessant ist. Doch wer bei Geschäften mit dem Iran US-Dollar verwendet, macht sich nach US-Gesetzen strafbar – mit umfangreichen Ermittlungen durch das FBI und strafrechtlichen Maßnahmen inklusive.

In Brüssel, Berlin, Paris & Co ist man darüber natürlich nicht erfreut, so dass man sich laut der "Financial Times" darüber Gedanken macht, wie man nun darauf reagiert: "Europäische Beamte prüfen Möglichkeiten, die Geschäftsbeziehungen mit dem Iran zu sichern und eine Alternative zur US-Dollar-Finanzierung von Deals zu bieten. Sie könnten die Europäische Investitionsbank oder bilaterale staatliche Kreditlinien mit Teheran anzapfen, wie sie die italienische Regierung eingerichtet hat. Sie prüfen auch Möglichkeiten einer Gesetzgebung, die die Wirkung von US-Sanktionen blockieren würden, eine aggressivere Reaktion."

Sollte dies im Falle des Irans Schule machen, könnten die Europäer auch bei anderen von den Vereinigten Staaten sanktionierten Staaten entsprechende Instrumente anwenden, um so nicht an die US-Vorgaben angewiesen zu sein. Dies wäre zum Beispiel bei den jüngeren US-amerikanischen Sanktionen gegen Russland der Fall, die auch nur der Unterstützung der US-Frackingindustrie dienen, um so mehr US-amerikanisches Öl und Gas in Europa verkaufen zu können.

Apropos Russland: Präsident Putin forderte erst am Mittwoch vor der Staatsduma in Moskau eine stärkere Unabhängigkeit der russischen Wirtschaft vom US-Dollar ein. "Das ist das Prinzip der ökonomischen Souveränität… Wir waren früher naiv gewesen. Aber jetzt ist klar, dass Regeln der WTO überall verletzt und Einschränkungen aus politischen Erwägungen heraus eingeführt werden, die man Sanktionen nennt", so der russische Staatschef. Dabei würden von den Amerikanern immer wieder neue Sanktionen beschlossen, um sich selbst Konkurrenzvorteile zu verschaffen, sagte Putin. Der russische Präsident schlug zudem den direkten Abschied vom Petro-Dollar vor: "Russland sollte diese Bürde loswerden, weil das Dollar-Monopol unzuverlässig und gefährlich ist."