Während Innenminister Seehofer demonstrativ die Grenzkontrollen zu Österreich aufrecht erhält, weichen die Schlepper und die illegalen Migranten auf Tschechien aus.

Von Michael Steiner

An der Grenze zu Tschechien hat die Bundespolizei in den letzten Monaten deutlich mehr geschleuste Menschen aufgegriffen als an jener zu Österreich. Dies teilte das Präsidium in Potsdam der "Welt" mit. Demnach wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres an der Grenze zu Tschechien 134 Geschleuste in Lkws und 133 in Kleintransportern entdeckt – fast die doppelte Zahl im Vergleich zur Grenze nach Österreich. Dort waren es im gleichen Zeitraum 67 Personen in Lkws und 70 in Kleintransportern.

Betrachtet man die Zahlen ab Juni des vergangenen Jahres, dann zeigt sich, dass die Gesamtzahl seitdem gestiegen ist – die Verteilung aber bereits ähnlich war. Den Angaben zufolge wurden zwischen Juni und Dezember 2017 an der Grenze zu Österreich insgesamt 128 Geschleuste entdeckt. An der Grenze zu Tschechien waren es deutlich mehr, nämlich 204. Vor allem jedoch ist dies angesichts der Hunderttausenden an illegalen Zuwanderern nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Faktisch redet man hier von Zahlen im Promille-Bereich, zumal das Tausendfache ohne erwischt zu werden nach Deutschland kommt.

Jörg Radek, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei bei der Bundespolizei, sagte: "Das Risiko einer Entdeckung wird nur durch eine präsente Polizei, die eine hohe Kontrolldichte ermöglicht, und durch Fahndungsdruck erhöht." Deshalb, forderte Radek, müsse "die Personalstärke der Bundespolizei auch an der Grenze zu Tschechien stabilisiert werden".

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