Die katholische Kirche in Chile steht vor einem Scherbenhaufen. Alle 34 Bischöfe des Landes traten auf Druck von Papst Franziskus geschlossen zurück, nachdem ein weiterer Pädophilenskandal das Land erschütterte.

Von Marco Maier

Alle 34 Bischöfe in Chile haben nach einem weiteren Pädophilen-Skandal, in dem hochrangige Kirchenvertreter den institutionalisierten sexuellen Missbrauch von Minderjährigen vertuschten, ihre Kündigung eingereicht. Sie bedrohten sogar Beamte, die mit der Untersuchung von Sexualverbrechen und der Zerstörung von Beweisen beauftragt waren. Einunddreißig aktive Bischöfe (und drei, die nach einem Krisentreffen mit Papst Franziskus in dieser Woche ein Dokument mit ihren Rücktrittsgesuchen unterzeichnet haben) reichten ihren Antrag auf Rücktritt offiziell ein.

Nachdem Details des Inhalts eines 2.300 Seiten umfassenden Berichts des Vatikans zu dem chilenischen Skandal um einen großangelegten Missbrauch Minderjähriger durch katholische Priester an die Öffentlichkeit gelangten, wuchs der Druck der Bevölkerung auf die Kirche, dass das Führungspersonal der Kirche zurücktreten müsse. Zudem verlangt die Öffentlichkeit die Bestrafung der pädophilen Priester und Brüder, die unzähligen Kindern schweres Leid zugefügt hatten.

Kirche PädophileFranziskus hatte die Bischöfe beschuldigt, Beweise für Sexualverbrechen vernichtet zu haben, indem sie die Ermittler drängten, Missbrauchsvorwürfe zu minimieren und "schwere Nachlässigkeit" beim Schutz von Kindern vor pädophilen Priestern zu zeigen. In einem der verdammendsten Dokumente des Vatikans zu diesem Thema sagte der Papst, die gesamte chilenische Kirchenhierarchie sei kollektiv verantwortlich für "schwerwiegende Mängel" bei der Bearbeitung von Fällen und den daraus resultierenden Glaubwürdigkeitsverlust, den die katholische Kirche erlitten habe.

"Niemand kann sich befreien und das Problem auf die Schultern der anderen stellen", schrieb Franziskus in dem vom chilenischen T13-Fernsehen veröffentlichten Dokument. In Reaktion auf den 2.300 Seiten langen Bericht bezeichneten die chilenischen Bischöfe den Inhalt des Dokuments als "absolut bedauerlich". Sie hätten einen "unakzeptablen Missbrauch der Macht" gezeigt und ein schlechtes Gewissen. Die Bischöfe baten die Opfer, den Papst und alle Katholiken weltweit um Vergebung.