Abschiebungen: Fast die Hälfte wird wieder abgebrochen

Fast die Hälfte der Abschiebungen wird inzwischen abgebrochen – immer wieder auch deshalb, weil die Piloten keine aggressiven Passagiere mitnehmen wollen. Aber andere Gründe überwiegen.

Von Michael Steiner

Zahlen der Bundespolizei zufolge wurde in diesem Jahr fast jede zweite Abschiebung abgebrochen – und das teils in der letzten Minute, weil die Piloten aus Sicherheitsgründen keine aggressiven und gewalttätigen Passagiere mitnehmen wollen. Demnach wurden im ersten Quartal 5.548 Personen abgeschoben, im selben Zeitraum mussten die Behörden jedoch 4.752 Rückführungen im Vorfeld abbrechen.

Wie die Bundespolizei weiter berichtet, haben Piloten bzw. die Fluggesellschaften in diesem Jahr bereits in 75 Fällen die Beförderung abgelehnt, nachdem es im letzten Jahr 314 solcher Vorfälle gab und im Jahr 2016 noch 139. Während man seitens der Vereinigung Cockpit laut Funke-Zeitungen dies rechtfertigt, zeigt die Bundespolizei wenig Verständnis dafür.

Abschiebungen würden nämlich abgebrochen, obwohl bei einer von der Polizei begleiteten Rückführung sichergestellt werde, dass von der Person "keine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung an Bord des Luftfahrzeuges ausgeht", sagte ein Sprecher. Man würde deshalb auch bei Sammelrückführungen Flugzeuge chartern, um Linienflüge zu vermeiden und so auch "Beförderungsausschlüsse durch die Piloten" zu verhindern.

Besonders problematisch erweisen sich jedoch auch fehlende Ersatzpapiere, weil sich viele Herkunftsländer weigern, diese auszustellen. Bei diesen Leuten wird eine Abschiebung noch nicht einmal wirklich in Angriff genommen. Dann tauchen zur Rückführung bestimmte abgelehnte Asylbewerber auch immer wieder unter, manche schieben eine Krankheit vor, die sie untauglich für eine Abschiebung machen. An Gründen dafür, warum diese Menschen nicht in ihre Heimat abgeschoben werden (können), mangelt es nicht.

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